2017 war ein schweres Jahr für uns als Familie. Schon die Weihnachtsferien waren nicht gut verlaufen – wir schlitterten von einem Grippevirus in einen Magen-Darm-Virus und verbrachten unseren Urlaub total entkräftet. Für mich selbst war es der Beginn eines Krankheitsmarathons, wie ich ihn nicht für möglich gehalten habe. Immer wieder steckte ich mich, kaum dass es langsam bergauf ging, neu an. Ende Mai rechnete ich aus: Von den ersten 5 Monaten des Jahres bin ich 4 Monate lang krank gewesen. Und den Rest davon…naja, fit kann man es eher nicht nennen. In der zweiten Jahreshälfte wurde es etwas besser, aber nicht viel. Ende Dezember habe ich wieder Bilanz gezogen: 7 von 12 Monaten hing ich in irgendwelchen Viren fest. Der Körper wurde immer schlapper und viel Arbeit – vor allem die im eigenen Haus (die andere schafft man ja immer irgendwie) blieb liegen. Auch die anderen Familienmitglieder gesellten sich in unterschiedlichen Konstellationen krankheitsmäßig dazu. Für schöne Dinge fehlten uns oft die Möglichkeiten und die Kraft. Positiv war einzig, dass keiner von uns unter einer unheilbaren Krankheit litt – aber eine Ahnung davon wie das wohl sein muss, haben wir alle bekommen.

Im zweiten Viertel des Jahres kam eine für uns sehr schwere und schmerzhafte Situation in der Gemeinde hinzu, die uns auch viel Kraft und viel Vertrauen gekostet hat. Auch hier befinden wir uns in der Rekonvaleszenz.

Manchmal kommen schon Fragen auf, warum solche Dinge passieren. Warum Gott das zulässt.  Gefragt haben wir ihn und gehört haben wir auch. Seine Antwort war recht deutlich (wobei es weniger ein Antwort auf das „warum“ war, sondern auf unsere Frage, wie es weitergehen soll…). Das erste mal im April hörten wir ein klares: „Macht weiter. Bleibt dran. Ich versorge euch, auch wenn ihr weniger Gehalt bekommt.“ (Wortlaut von der Redaktion leicht verändert 😉 )  Als es danach noch viel schlimmer wurde, schwand auch unsere Gewissheit darüber, und Zweifel zogen erneut ein. Wieder fragten wir Gott, und wieder hörten wir, dass wir bleiben und weiter aushalten sollen. Und dass unsere Versorgung von ihm kommen wird.

Am Ende des Jahres war uns immer noch unklar, wie das alles praktisch aussehen sollte. An der Situation selbst hatte sich nichts geändert. Ich war wieder lange Wochen am Stück krank, der Jüngste fehlte 5 Wochen in der Schule, und der Rest der Familie hangelte sich so durch. Einige schmerzhafte Begegnungen kamen hinzu, und finanziell sah es nicht gut aus. Dass zusätzlich noch ein Hacker 3000 Euro über unsere Kreditkarte ausgegeben hatte, war in der Adventszeit auch nicht gerade Grund zur Freude. Wir hoffen noch darauf, dass alles erstattet wird.

In dieser sehr düsteren Zeit hatte eine Freundin, die uns und unsere Situation sehr gut kennt, einen Gebetseindruck für uns. Sie gab uns diesen Eindruck weiter und meinte, dass man zu mehreren dafür beten solle, dass sich das, was sie gehört/gesehen hatte, löst. Auch wenn wir in manchen Dingen skeptische Menschen sind: ihr Eindruck war für uns ohne dass wir groß überlegen mussten, ein direktes Reden Gottes in unsere Situation. Schon eine Woche später versammelten sich ein paar Freunde in unserem Wohnzimmer und wir beteten gemeinsam die Sache durch – und André und ich ließen uns von unseren Freunden segnen. Und schon dieser gemeinsame Abend war ein Durchbruch – wir spürten sehr deutlich, dass Gott etwas von uns weggehoben hat, was das ganze Jahr – oder auch ein bisschen länger – auf uns gelegen und uns niedergedrückt hat.

Topfit sind wir immer noch nicht. Ein Erkältungsvirus macht den Familienmitgliedern seit ein paar Wochen mehr oder weniger zu schaffen. Trotzdem ist etwas anders. Es ist wieder Hoffnung da. Freude.  – Und einen Tag nachdem Gebet bekamen wir einen Anruf von unserer Gemeindeleiterin, dass eine Geldspende für uns eingegangen sei. Diese Geldspende erstattet uns das, was uns ab Januar an Gehalt fehlen wird,  für ein halbes Jahr.  Ein echtes WOW-Erlebnis. Und so prompt…

WP_20180102_14_32_01_Pro_LI©Bettina Peter

Was hat dies alles mit weißen Rehen und unheimlichen Geräuschen zu tun? Nun ja… in Zeiten, in denen einem die Freude und Zuversicht so sehr abhanden kommt, tut es gut, wenn etwas passiert, was wie eine Streicheleinheit Gottes – ein Trost – eine unerwartete Überraschung – ein extrafettes Bonusgeschenk ist. Jedenfalls haben wir uns danach gesehnt, handfeste Liebesbeweise Gottes zu erfahren – und ein bisschen Kompensation für all die Freudenräuber im letzten Jahr.

Interessanterweise beschenkte Gott uns damit jeweils an unserem ersten – und an unserem letzten gemeinsamen Familienurlaubstag:

Am 25. Dezember waren wir mit dem Auto Richtung Strand unterwegs. Es war ein sehr trüber Tag. Deshalb hatten wir keinen Photoapparat mit und auch kein Handy, schließlich war Urlaub und dienstliche Anrufe sollten auf dem Spaziergang keinen Raum haben. Während der Fahrt rief unser Jüngster plötzlich: „Da war ein weißes Reh!“ Nach einer kurzen Diskussion, ob es vielleicht doch eher ein weißes Schaf, Pony, Ziege oder Lama gewesen sein könnte, drehte André kurz entschlossen um. Und an der bewussten Stelle angekommen, sahen wir es: ein weißes Reh! Wir stiegen aus, der Hund blieb im Kofferraum. Das Reh bemerkte uns und versteckte sich in einem (im Dezember entlaubten) Gebüsch und legte sich dort nieder. Ganz leise pirschten wir uns an – das Reh blieb liegen. Bis auf 5 Meter haben wir uns herangetraut und dann abwechselnd durch unser Fernrohr (welches wir glücklicherweise dabei hatten) das schneeweiße Jungtier angeschaut. Nach ca. 4-5 Minuten und langsam nachlassender Schweigsamkeit unserer Kinder, lief plötzlich die braune Rehmutter (die wir vorher nicht wahrgenommen hatten – zu gut getarnt in dem Braun und Grau der Dezemberlandschaft) davon und das weiße Jungtier folgte. Dieses Erlebnis hat unseren Glücksspeicher ein ganzes Stück wieder aufgefüllt. Und unseren Sohn, der das Tier entdeckt hatte, sehr stolz gemacht. Immer wieder haben wir in der nächsten Zeit über dieses tolle Erlebnis geredet.

Am letzten Urlaubstag kam dann noch so ein Geschenk. Wir haben einen neuen Küstenabschnitt erkundet. Und aufgrund des tollen Wetters (viel Sonne – ein wenig Regen und ein unglaublicher Regenbogen) – sind wir 3 Stunden gewandert. Nach einer Einkehr in einem tollen Café – in dem die Kinder auch vom Personal mit Geschenken überrascht wurden – machten wir uns auf den Weg zurück zum Auto. Es dämmerte schon sehr, und so nahmen wir nicht den Strandweg – sondern den kürzeren, gepflasterten Weg durch die Wiesen. Neben uns schnatterten auf den Wiesen Schwärme von Gänsen. Das an sich war schon nett. Was können schnatternde Gänse nur für einen Lärm veranstalten!

Es war schon richtig dunkel, als wir plötzlich so etwas  wie ein Donnergrollen hörten. Ich überlegte, ob es ein Zug sein könnte (da war aber keine Bahnstrecke) – der Jüngste dachte an Düsenjäger. Es war total laut und wir alle hielten inne. Zu dem Donnergrollen kam eine unerwartete Windböe hinzu. Und plötzlich bemerkten wir den Grund: Ein Gänseschwarm direkt neben uns hatte sich in die Luft erhoben. Alle Gänse hatten gleichzeitig angefangen mit den Flügeln zu schlagen – daher der (echt unheimliche) Lärm und der plötzliche Windstoß. Auch das war ein unglaublich schönes Erlebnis – und wir hatten es noch drei weitere Male im Laufe unseres Rückweges. (Der Mann hatte die Theorie, dass das Geschnattere der Gänse eine sehr ausgiebige Diskussion darüber war, wie man sich bei unserer Annäherung an die Gänseschwärme verhalten solle – und am Ende waren die Gänse dann alle der Meinung, man solle sicherheitshalber das Weite suchen – denn vier Menschen und ein Bär, das bekommen solche Gänse auch nicht alletage zu sehen – klar dass sie verunsichert waren und lieber über unsere Köpfe hinwegflogen.)

Auch dieses Erlebnis hat unseren Glücksakku wieder ein Stück aufgeladen. Und war ein Zeichen der liebevollen Zuwendung unseres Vaters im Himmel. Er weiß genau, worauf wir stehen – und hat uns mit zwei völlig neuen Erlebnissen beschenkt. Ende 2017 und Anfang 2018. Er begleitete uns und wird uns begleiten – und wir versuchen es, zu vertrauen. Weiterzugehen. Das Schwere hinter uns zu lassen und am Guten festzuhalten. Und sind gespannt auf die kommenden Zeichen seiner Liebe, die auf uns warten.

 

 

 

Ein Gedanke zu “Von weißen Rehen und unheimlichen Geräuschen – Gottes Zeichen der Liebe

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