© B. Peter

Seit Herr Trump an der Macht ist, haben meine Kinder Angst vor Krieg. Auf dem Schulhof werden die Ansichten, welche die Erwachsenen beim Abendbrot am Vortag austauschten, brandheiß weitergegeben. Und in den Kindern entsteht die Furcht davor, dass morgen Krieg ist – auch hier – weil der Herr Trump so dumm ist, dass er andere dadurch zu Krieg provozieren könnte. Oder selber einen Krieg beginnen könnte, weil er gerade sehr, sehr wütend ist.

Auf einer Freizeit mit den Gemeindekindern (Alter 8-13) im letzten Jahr, war das Thema: „I have a dream“. Martin Luther Kings Leben und der gewaltlose Widerstand wurden vorgestellt. Den Kindern wurde auch die Frage gestellt: Wie sieht dein Traum für die Zukunft und diese Welt aus? Auf den Photos oben kann man die Antworten originalgetreu lesen.

Auf Wikipedia findet man eine Landkarte, auf der man sehen kann, welche Länderund Gebiete der Erde aktuell von Krieg und bewaffneten Konflikten betroffen sind: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_andauernden_Kriege_und_Konflikte#/media/File:Ongoing_conflicts_around_the_world.svg   Es sieht so aus, als ob die Hälfte der Erdkugel gerade in Krieg und Gewalt gefangen ist.

Deutschland ist in 15 Konflikten militärisch beteiligt (zumeist in der Ausbildung von Soldatinnen und Soldaten und durch humanitäre Hilfe). Und Deutschland zählt zu den größten Waffenexporteuren weltweit. Auch wenn wir nicht im Krieg leben, so herrscht doch kein Frieden in und durch Deutschland.

Viele Menschen wünschen sich, dass da jemand kommt, und die Sache in Ordnung bringt. Den Frieden und die Gerechtigkeit wiederherstellt.

Genauso war es auch zu der Zeit, in die Jesus hineingeboren wurde. Das Volk Israel hatte eine Besatzungsmacht nach der anderen erlebt. Unterdrückung und Ungerechtigkeit, Unfreiheit und Gewalt waren an der Tagesordnung. Wir stellen uns das manchmal so friedlich vor, das Israel zu Zeiten Jesu. Hippie-Jesus wandert mit seinen 12 Hippie-Jüngern umher und redet mit salbungsvoller Stimme. Das Gewand ist weiß, die Haare ordentlich anliegend, der Heiligenschein sitzt. Auf den Straßen spielen die Kinder und die Vögel picken am Wegrand…

Aber da sind wir auf dem Holzweg. Die Realität war brutal. Die Menschen spürten die Folgen der Gewaltherrschaft täglich. Man konnte jederzeit zu Extraarbeit für die römische Besatzung gezwungen werden. Die Abgaben an die Römer waren extrem hoch. Jeder hatte jemanden in der Familie, der durch die Römer getötet worden war , Gewalt erlitten hatte, oder im Gefängnis saß. Unter den jüdischen Bewohnern gab es Gruppierungen, die Widerstand übten. Und das auch wieder auf gewaltvolle Art: in guerilla-ähnlichen, kleinen Ausfällen kämpften die Zeloten auf blutige Weise gegen die Besatzer. Und die Sikarier, (die „Messerstecher“), liefen mit Messern, die sie unter ihrem Gewand verborgen hatten, nahe an den römischen Wachen vorbei, und – wenn die Gelegenheit günstig war – stachen sie zu. Gewalt war jederzeit und überall möglich.

Man sehnte sich nach einem Befreier. So einem wie Judas Makkabäus, der den Römern mal ordentlich eins überzieht, sie alle niedermetzelt und siegt. (Und wenn man sich in ihre Lage versetzt, sind diese Wünsche ja sehr verständlich.)

Dann wird man aufmerksam auf Jesus. Da ist einer, der so charismatisch ist, wie Judas Makkabäus. Einer, der die Massen anzieht, und der auch noch übernatürliche Kräfte zu haben scheint: er heilt Kranke, und speist 5000 Männer und ihre Familien mit ein paar Broten und Fischen. Er spricht über das Königreich, das kommen wird, und das schon da ist. Kann es wahr sein? Ist es wirklich soweit?  Ist das der Messias, den die Propheten verheißen haben?  Rüsten wir uns zum Krieg. Wir werden siegen und endlich in Frieden leben.

Doch dieser Jesus redet komisches Zeugs: „Selig sind die, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5,9)  Und als man ihm, als dem Messias, der Israel befreien wird, huldigt und zujubelt, da kommt er nicht etwa auf einem Streitroß in die Stadt geritten, sondern auf einem Esel. Er tut sich auch nicht mit den Mächtigen und Reichen zusammen, so wie es jeder gute Kriegsherr tun würde. Er kümmert sich um die Kranken, die Armen und diejenigen, die von der Gesellschaft ausgestoßen wurden.

Wie enttäuschend.

Und wie gut. Hass gebiert Hass.  Und den Teufelskreis von Gewalt, kannst du nicht mit Gewalt durchbrechen.

Da kommt einer, der schon im Propheten Jesaja „Friedefürst“, oder „Prinz des Friedens“,  oder „Heerführer des Friedens“ genannt wird.

Die Soldatenstiefel, die beim Marschieren so laut dröhnen, und all die blutverschmierten Kampfgewänder werden ins Feuer geworfen und verbrannt.
Denn uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns geschenkt! Er wird die Herrschaft übernehmen. Man nennt ihn »Wunderbarer Ratgeber«, »Starker Gott«, »Ewiger Vater«, »Friedensfürst«. Er wird seine Herrschaft weit ausdehnen und dauerhaften Frieden bringen.  Jesaja prophezeit das Kommen und die Art Jesu, nachzulesen in Jesaja 9, 4-6

Und auch im neuen Testament wird diese Linie verfolgt. Matthäus zitiert hier auch den Propheten Jesaja (Jesaja Kapitel 42, 1-4)

»Dies ist mein Diener, den ich erwählt habe. Ich liebe ihn und freue mich über ihn. Ich werde ihm meinen Geist geben, und er wird den Völkern mein Recht verkünden.
Er kämpft und streitet nicht; er lässt seine Stimme nicht durch die Straßen der Stadt hallen.
Das geknickte Schilfrohr wird er nicht abbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen. Er wird das Recht schließlich zum Sieg führen.
Auf ihn werden die Völker ihre Hoffnung setzen.« (Matthäus 12, 18-21)

Jesu Kampf ist sanftmütig und völlig gewaltfrei. Nichtmal ein geknicktes Schilfrohr wird er zerbrechen oder einen glimmenden Docht auslöschen… Wie falsch hat man ihn verstanden. Kreuzzüge, Zwangschristianisierung, jede Art von Gewalt, die die Kirche oder Christen ausgeübt haben, sind absolut konträr zu dem, was Jesu gepredigt und gelebt hat.

Jesus hat gewaltlosen Widerstand gepredigt. Wie der aussehen kann, liest man hier: https://rausausderaffenfalle.wordpress.com/2018/02/28/von-linken-wangen-und-letzten-hemden/

Jesus ist der Prinz des Friedens, der bei den Sündern und Ausgestoßenen sitzt, und mit ihnen Tischgemeinschaft hat. Der dem Soldaten, der ihn festnehmen will, und dessen Ohr ein vorlauter Jünger  abgeschlagen hat (und das mit dem Frieden noch nicht so recht verstanden hat), heilt. Er ist der Heerführer des Friedens, er sich herabbeugt zu dem Sünder und ihn aufrichtet. Er ist der Fürst des Friedens, der sein Leben für seine Feinde gibt, um ihnen Frieden zu erkaufen.

Am Sonntag geht es weiter mit unserer Predigtreihe zum Thema Frieden und Gerechtigkeit. Herzliche Einladung dazu.

 

 

 

 

 

 

 

3 Gedanken zu “Der Prinz des Friedens

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