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Vielleicht wäre ein Blogbeitrag über lustige Begebenheiten unseres Urlaubs, oder über die Schönheit der Bretagne, über das Zunehmen im und das Abnehmen nach dem Urlaub, über das Bodyboarden und die Dämpfe der Rotalge, oder einfach eine Bildstrecke über französische kulinarische Genüsse gefälliger. Mit Sicherheit.

Doch wenn mir die Aufgabe gestellt würde, noch einen letzten Blogbeitrag zu schreiben, wären all diese Themen nicht meine Wahl. Ich hätte genau drei Themen, zwischen denen ich mich entscheiden müsste. Das Erste, welches vielleicht auch doch das Wichtigste ist, würde ich doch lieber mündlich angehen, von Auge zu Auge – also kein Blogartikel. Über das Zweite wird von anderer Seite viel geschrieben, und auch wenn es mich zur Zeit sehr beschäftigt (und auch mit dem Dritten zusammenhängt – zumindest in meiner eigenen Gedankenkette), wüßte ich es dann doch bei anderen, besseren Schreibern gut aufgehoben. Doch dieses Eine, für dass ich mich entschiede, findet kaum Gehör, und somit auch kaum Schreibende. Und es muss doch gehört werden, und es sollte immer mehr darüber geschrieben werden, so dass bald keiner mehr sagen könnte, man habe nichts davon gewusst.

Wenn ich eine letzte Bitte an die Leser hätte, dann diese: Bitte, bitte – lest darüber, auch wenn es ein ungutes Gefühl hinterlässt. Lest und informiert euch, und lasst euch von denen nicht trügen, die schreiben, dass dies alles doch nicht so wild sei, und man es für ein Gerücht halten solle. Sie schreiben so, weil sie selber davon profitieren, wenn dieses Thema keines bleibt. Oder die, die hinter ihnen stehen, profitieren davon und bezahlen sie für diese Meinung. Oder sie schreiben ab, bei denen die davon profitieren oder dafür bezahlt werden, und glauben ihnen, weil es ihnen wahrscheinlicher scheint. Und weil es so auch viel einfacher ist.

Das Thema, über welches  ich meinen letzten Blogbeitrag schreiben würde, ist der Kindersexhandel. Denn darüber wird im Verhältnis dazu, wie oft er geschieht, und auch abgesehen von diesem Verhältnis, zu wenig geschrieben, gelesen, nachgedacht, erzählt – und all dies in ein Handeln umgesetzt.

Ein Grund dafür ist das, was ich oben angedeutet habe: es stehen Interessen dahinter. Es ist ein Wirtschaftszweig, der immens hohen Gewinn bringt. Längst wurde bekannt, dass der Handel mit Frauen für die Sexindustrie gewinnbringender geworden ist, als der Drogenhandel und der Waffenhandel. Dazu gibt es Forschung, Nachweise, Statistiken. Für den Kinder-Sexhandel wird es Letztere nicht geben. Denn natürlich gibt es kaum Erkenntnisse, Belege und Forschung dazu. Allenfalls Schätzungen und Hochrechnungen der Dunkelziffer. Experten gehen davon aus, dass der Verkauf eines Kindes für Sexhandel immens viel Geld bringt. Mehr als der Verkauf einer Frau für Prostitutionszwecke.Und je nach Kundschaft viel, viel, viel … mehr.

Kinderhandel für Sexzwecke, Folterzwecke, oder Sex in Kombination mit Folter-Zwecken gibt es sicherlich schon seit sehr frühen Zeitaltern. Doch niemals war er so organisiert und verbreitet wie heute.

Die Themen „Sexueller Kindesmissbrauch“ und „Zwangsprostitution“ und auch der weltweite Menschenhandel an sich (Arbeitssklaven – erwachsen und minderjährig – auf Plantagen (Kakao/Kaffeebohnen usw.), in Fabriken, im Haushalt reicher Menschen oder auch mittelständischer Menschen usw.) sind auch nicht beliebt, aber doch inzwischen in das Bewusstsein unserer Gesellschaft eingedrungen. Man beschäftigt sich in der Regel nicht gerne damit, weiß aber Bescheid. Und ab und zu vermeidet man gewisses Konsumverhalten, greift zu fair gehandeltem Kaffee oder fair gehandelter Schokolade, macht einen Bogen um gewisse Billiggeschäfte und überlegt, wenn man ein T-Shirt für 4 Euro im Schlusverkauf in der Hand hält, ob das wirklich möglich sein kann.

Aber über Kinder, die zu Prostitutions- und schlimmeren Sexzwecken verkauft werden, weiß man entweder gar nichts, oder nicht wirklich viel. Und das ist nachvollziehbar. Es wird viel zu wenig aufgedeckt, und das, was aufgedeckt wird, verschwindet aus unerfindlichen Gründen wieder in der Versenkung. Hier und da einmal eine Pressemitteilung, dass ein Kinderpornoring aufgehoben wurde, oder ein Pädophilenring, der Kinder hin und herschob und verkaufte, entdeckt wurde. Aber dann hört man nichts mehr. Und man weiß nicht, was weiter geschah. Ob die Verfahren durchgekommen sind, und Täter (und Hintermänner) bestraft wurden. Ob die Ermittlungen steckenblieben. Ob mächtigere Interessen die Ermittlungen im Keim erstickten, oder ob es gelang, die Fälle vor in der Justiz und dem Vollzug beschäftigte Menschen zu bringen, die mit im Räderwerk stecken, und alles blieb dann danach stecken. Man weiß nicht, ob die Kinder gerettet werden konnten, vielleicht anonym zu ihrem eigenen Schutz nicht mehr genannt und sicher untergebracht wurden. Oder ob sie ab irgendeinem Zeitpunkt, nachdem die Verfahren und Ermittlungen steckenblieben (s.o.), wieder in das Räderwerk gerieten und nun einfach woanders verkauft und misshandelt werden.

Es wird zuwenig geredet, geschrieben, nachgedacht und weitererzählt zu diesem Thema. Es wird zuwenig realisiert, wie alltäglich dieses Verbrechen ist. Und zu wenig realisiert, dass es auch in Europa, auch in Deutschland, auch in meiner Stadt, auch in meiner Umgebung stattfindet.

Und das ist auch nachvollziehbar. Es ist so unglaublich, so schrecklich, so überfordernd. Und es ist so aussichtslos, etwas dagegen zu tun, wo es doch so versteckt stattfindet (je mehr man weiß, desto mehr sieht man aber). Und es ist so aussichtslos, etwas dagegen zu tun, weil diejenigen, die dahinter stehen, so übermächtig erscheinen (und sind).

Doch gerade diese Aussichtslosigkeit solte uns nicht blind, taub und stumm, und auch nicht handlungsunfähig machen.

Und vielleicht fängt die Bekämpfung dieses Verbrechens, der Widerstand dagegen, erst einmal im Kleinen an: darin, sich zu informieren und nicht länger wegzuschauen. Darin, es auszuhalten, darüber zu wissen und zu erfahren. Darin, darüber zu reden, auch wenn man damit nicht in der Beliebtsheitsskala aufsteigt. Darin, miteinander zu reden und zu überlegen, was möglich ist, zu tun.

Deshalb wäre es dieses unliebsame Thema, dass ich wählen würde, wenn ich noch einen letzten Blogbeitrag zu schreiben hätte.

Dazu gefunden und gelesen: https://www.kathpress.at/goto/meldung/1660587/hilfswerk-kinderhandel-hat-alarmierendes-ausmass-angenommen

 

 

 

 

 

 

 

 

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