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Kollege Rommert, mit dem ich einige Jahre Studium in einer 12köpfigen Semestergemeinschaft verbrachte, postete heute morgen folgenden Bericht auf facebook:

https://www.tagesschau.de/inland/churchtoo-missbrauch-kirche-101.html

Das Thema sexueller Missbrauch an Kindern ist jetzt fast tagtäglich in den Nachrichten. Die #meetoo-Debatte weitet sich aus. Der Blick gleitet von den erwachsenen Betroffenen hin zu den Kindern, die Opfer wurden und Opfer sind. Als wir während der Heimfahrt aus dem Sommerurlaub wieder deutsches Radio empfingen, ging gerade die Nachricht über den Prozess gegen Mutter, Stiefvater und andere Täter, die den neunjährigen Jungen aus Staufen missbraucht, vergewaltigt und verkauft hatten. Nur ein paar Tage zuvor hatte ich mich in diesem blogbeitrag darüber beschwert, dass zu wenig über das Thema geschrieben würde: https://rausausderaffenfalle.wordpress.com/2018/08/02/wieder-dieses-unliebsame-thema-oder-wenn-ich-noch-einen-letzten-beitrag-schreiben-koennte/

Seitdem, so mein Gefühl, vergeht kaum ein Tag ohne eine Nachricht über Missbrauchsfälle oder darüber, dass ein Kinderpornoring aufgeflogen ist, oder über das erschütternde Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in den Großkirchen. Es wird endlich ein Thema für die breite Öffentlchkeit und mein Gefühl ist, dass es diesmal tiefer in das Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen wird. Die tiefste Schicht der sexuellen Gewalt an Kindern und Erwachsenen, die rituelle Gewalt, bleibt weiterhin kein Thema. Das war vielleicht zu erwarten, ist aber unerfreulich, denn meines Erachtens  erwächst ein Großteil der Fälle von sexueller Gewalt, gerade wenn sie organisierter erscheint, letztlich aus dem Boden des rituellen Missbrauchs, der in Deutschland und überall auf der Welt geschieht. Auch der Fall aus Staufen wirft Fragen auf: gibt es noch weitere Hintermänner? Auch Betroffene aus ritueller Gewalt, die ich seelsorgerlich betreue, wurden in ihrer Kindheit und Jugend an „Kunden“ verkauft. Meist enstammten diese Kunden nicht dem Prekariat, sondern es waren gebildete, betuchte, und teilweise angesehene Personen, die diese „Dienste“ in Anspruch nahmen.

Auch die Kirche ist nicht außen vor. Auch in den Kirchen (jeder Denomination) geschieht, wie wir inzwischen erfahren haben, sexueller Missbrauch. Die Zahlen sind erschreckend. Und auch hier gibt es noch ein Dunkelfeld, über das noch nicht berichtet wird, denn auch in den Kirchen geschieht ritueller Missbrauch. Opfer berichten davon, wie sie in Kirchen von mehreren Personen missbraucht wurden. Neben oder auf dem Altar. Von Menschen, die in Priestergewand und Talar gekleidet waren. Es sind teilweise satanische Messen, die da mitten im Kirchenraum „gefeiert“ werden, teilweise dient die Kleidung der Einschüchterung. Eine Frau erzählte mir, dass sie stundenlang als Kind und Jugendliche vergewaltigt wurde, während Lobpreislieder gespielt wurden und man ihr versicherte, das alles geschehe im Namen Gottes, er wolle es so. Zum näheren Verständnis: dieser jungen Frau sollte ein Hass gegen Gott eingetrichtert werden, damit sie nicht bei Christen um Hilfe suchen würde. Der rituelle Missbrauch geschah also von satanisticher Seite. Dennoch waren Menschen beteiligt, die sonntags in die Kirche gehen und in der Kirche mitarbeiten. Ähnliche Schilderungen höre ich auch von anderen Betroffenen. Und auch das Misstrauen, dass sie grundsätzlich gegenüber Kirche und deren Mitarbeiter haben, spricht für sich. Nun könne man meinen, ritueller Missbrauch geschehe vorwiegend in kirchlichen Kreisen. Das wäre ein Irrtum. Er geschieht (und das ist erschreckend genug) auch in kirchlichen Kreisen. Die Opfer erzählen weiterhin von politisch rechts- als auch linksextremen Kreisen. Sie erzählen vom Militär, von den Logen der Freimaurer,von gutbürgerlichen Gruppierungen, von Partys reicherer Leute, von den Luciferianern. Sie erzählen, dass sie nebenher als Ware an Pädophile verkauft wurden. Zumeist nachts, in der Stadt und auf dem Land. In Arztpraxen, in Kneipen in Kellern. Und sie erzählen davon, dass sie in all diesen Kreisen herumgereicht wurden, dass diese Kreise miteinander vernetzt sind, und die organisierten Strukturen, die dahinter stehen groß und übermächtig sind. Sie erzählen von Folterungen, Vergewaltigungen und davon, dass sie programmiert wurden, um bei diesem Missbrauch höchsteffizient und kundengefällig „mitzuarbeiten“. Der Kunde wünscht je nach Gusto ein verängstigtes oder ein lustvolles, ein verdorbenes, ein reines oder ein anfeuerndes Kind. Er wünscht verschiedene Praktiken und verschiedene Szenarien. Und all das soll die „Ware Kind“ bereithalten, dafür werden die Kinder „abgerichtet“.

Warum so viel Abscheulichkeit noch unerkannt stattfinden kann? Wenn nicht alles erlogen ist, was die Opfer berichten (und es spricht Vieles dafür, dass sie nicht lügen), dann deshalb, weil diese Kreise so gut vernetzt sind und ihre Strukturen ein Aufdecken kaum ermöglichen. Weil einflussreiche Personen zu den führenden Köpfen dieser Organisationen gehören, und die Organisationen ihre eigenen Leute in führende Positionen unserer Gesellschaft und Istitutionen schleusen. Ein bisschen – ein klein bisschen – wurde diese Thematik in den Filmen „Operation Zucker“ und „Operation Zucker – Jagdgesellschaft“ (noch? zu finden auf youtube) angesprochen, die vor ein paar Jahren in der ARD liefen. Doch wer mit Opfern regelmäßig zu tun hat, ahnt, dass auch diese Filme nur einen Teil der Realität darstellen. Diese ist wahrscheinlich noch viel erschreckender.

Das Thema „sexueller Missbrauch“ ist ein Fass ohne Boden. Dankeschön an Kollege Rommert, der seit Jahren unermüdlich daran arbeitet, dass Kirchen weniger Raum für sexuellen Missbrauch bieten, und intensiver an sicheren Strukturen arbeiten. Und Dankeschön all den anderen Kämpfern gegen dieses Unrecht: den Seelsorgern, Therapeuten, den Sozialarbeitern und Journalisten. Und ein Dankeschön an alle „Experten in eigener Sache“, die für sich selber und andere kämpfen, und mutig von ihren traumatischen Erlebnissen erzählen, damit immer mehr Wahrheit ans Tageslicht kommt.

 

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