Cousin Frank ist Bundestagsabgeordneter für Chemnitz. Seit den erschreckenden Vorfällen, die in Chemnitz vergangene Woche passierten, beten wir für Frank und seine Familie, und die Stadt. Ich frage Frank, was was er Menschen, die nicht in Chemnitz und Umgebung leben, raten würde. Was außer Gebet, können wir in diesen Tagen tun? Weil ich ahne, dass er kaum einefreie Minute hat, schreibe ich ihm die Frage als mail.

Gerade eben ruft Frank mich an. Auf meine Frage, ob das Konzert bis jetzt friedlich verläuft, bejaht er, und fügt hinzu: „Hoffentlich bleibt es so. Ich hoffe, Campino behält recht, und es geht nichtmal eine Fensterscheibe zu Bruch. Wr haben hier mit 50.000 gerechnet, aber es sieht so aus, als ob es im Laufe des Abends bis zu 70.000 Menschen werden könnten.“

Auf meine Frage hin sagt er: „Ich bin um jedes einzelne Gebet froh. Bitte betet für die Stadt. Für die Menschen hier. Bete um Frieden. Außerdem lasst euch Weisheit schenken, in der Beurteilung der Geschehnisse. Lest kritisch und bitte denkt nicht schwarz-weiß.“

Ich frage weiter: „Wie nimmst du den Slogan „Wir sind mehr“ wahr?“ Obwohl ich jedes Profilbild auf facebook like, welches diesen Slogan zufügt, habe ich doch auch ein zwiespältiges Gefühl. Weil man den Slogan so unterschiedlich auffassen kann.
Franks Antwort spiegelt mein eigenes Gefühl wieder.
„Wenn ‚wir sind mehr‘ bedeutet: weil wir mehr sind, bestimmen wir, dann hat das einen negativen Beigeschmack. Wobei es auch gut ist, wenn einige der Menschen hier merken: Die Welt schaut auf uns, es kommen Menschen aus ganz Deutschland und aus der ganzen Welt, um für die Vielfalt einzutreten und ein Zeichen zu setzen.
Und: wenn es zeigt: Chemnitz ist mehr, Ostdeutschland ist mehr als das, was am Wochenende passiert ist. Und es gibt hier viele Menschen, die kein braunes Gedankengut haben und das Geschehene verurteilen, dann ist es auch gut.“

Frank kennt „seine Stadt“ in und auswendig. Seit 1997 lebt er dort. Lange Jahre hat er dort die Heilsarmee zusammen mit seiner Frau geleitet. Den Armen und Benachteiligten zu dienen, haben sie sich verpflichtet. Frank tritt für mich, aus dem Blickwinkel als Cousine, irgendwie in die Fußstapfen seines Vaters, der ein Altersheim für verarmte Senioren aufbaute und nebenher Hilfstransporte nach Rumänien und andere Ostblockländer organisierte und durchführte. Das war nicht immer ganz ungefährlich. Bezahlung: eine Wohnung, Lebensmittel und ein kleines Taschengeld. Auch in der Heilsarmee verpflichten sich die Mitarbeiter zu einem unermüdlichen Dienst an den Bedürftigen und zu einem Leben in einfachen Verhältnissen. Frank ist ähnlich veranlagt wie mein Onkel: immer unter Strom, viel Energie und Erfindungsreichtum. Er ist unermüdlich und voll guter Ideen, die er auch umsetzt. Er will das Leben der Menschen in seiner Stadt verbessern. Der Weg in die Politik liegt dann irgendwann nahe, und auch als Bundestagsabgeordneter hat Frank Bodenhaftung behalten, und ist nahe an den Menschen, die er vertritt.

Seine Bitte um Gebet, ist keine Floskel, sie kommt aus seinem tiefem Glauben und aus seinem Ringen um das Wohl der Stadt.
Bitte betet für Chemnitz!

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