photo of a boy listening in headphones
Photo by Jonas Mohamadi on Pexels.com

Eine meiner tiefsten Überzeugungen ist es, dass das Reden Gottes zu uns eine ganz natürliche, alltägliche Sache ist. Der Vater wünscht sich, mit seinen Kindern im Austausch zu sein.  Er möchte hören, worüber wir traurig oder wütend sind. Was uns freut und was wir uns wünschen. Einfach alles, was uns bewegt, interessiert ihn. Er möchte uns Antworten auf unsere Fragen geben. Und er möchte seine Träume mit uns teilen. Uns erzählen, was ihn bewegt. Uns sein Herz ausschütten. Er wünscht sich, dass wir auf das, was er uns sagt, eingehen. Wirklich miteinander ins Gespräch kommen. Ein Austausch zwischen Vater und Kind eben. Aber auch ein Austausch zwischen Freunden.

Wenn wir davon ausgehen, dass Gott jemand ist, der sich eine Beziehung zu uns wünscht, kann es nicht anders sein. Dann kann es nicht so sein, dass nur ganz besonders (prophetisch) begabte Menschen von Gott Botschaften bekommen, die sie dann an andere weiterreichen sollen. Dann kann es nicht so sein, dass das Reden Gottes eine Seltenheit ist. Etwas Besonderes, das ab und zu mal passiert, vielleicht als Warnung oder als Entscheidungshilfe. Oder dass Gott nur redet, wenn er uns mitteilen möchte, was zu tun ist.

Eine Beziehung speist sich aus einem stetigen Austausch von Herz zu Herz. Die beste Beziehung würde eingehen, wenn nur noch ausgetauscht würde, wer wann, wie und wo die Kinder abholt, beaufsichtigt, einkauft, den Haushalt macht usw. Eine tiefe Freundschaft würde eingehen, wenn wir uns nicht austauschen, sondern nur miteinander reden würden, wenn Entscheidungen anstehen oder wir den anderen warnen wollten. Eine Beziehung zwischen einer Mutter oder einem Vater und einem Kind würde sehr seltsame Züge annehmen, wenn die Eltern dem Kind nur durch z.B. eine Patentante ab und zu ein paar Mitteilungen machen würden. Oder wenn wir keine Gefühle austauschen würden. Das Alles wären sehr absurde Kommunikationswege, das leuchtet ein.

Wenn wir also davon ausgehen, dass Gott sich die Verbindung zu uns als eine Beziehung vorstellt –  sogar als eine Beziehung zwischen Vater und Kind, oder Mutter und Kind –  oder als eine Freundschaft –  als eine Bundespartnerschaft –  als eine Liebesbeziehung (und die Beziehung zwischen Gott und Mensch beinhaltet alle diese Facetten…und mehr) – dann kann es doch nur so sein, dass auch unsere Kommunikation mit Gott sich so gestaltet wie in diesen Beziehungen, mit all ihren Facetten.Und sogar darüber hinausgeht. Denn mit meinem Partner, meinen Freunden, Eltern und Kindern ist die Kommunikation nicht immer möglich. Mit Gott hingegen schon.

Warum fällt es dann oft so schwer, das Reden Gottes in unserem Alltag zu erleben? Warum scheint es immer noch etwas Besonderes zu sein, wenn Gott überhaupt redet? Warum (so scheint es mir) ist es in christlichen Kreisen oft eher eine seltsame Art der Einwegkommunikation, die da stattfindet? Warum wird das Reden Gottes so oft so wahrgenommen, als hätte Gott uns eine Information mitgeteilt, die wir uns sorgsam merken oder sogar aufschreiben – aber nicht darauf eingehen. Nicht antworten. Nicht nachfragen. Nicht mit Gott darüber im Gespräch sind. In unseren menschlichen Beziehungen würde es uns ja auch nicht reichen, wenn uns ein Freund ab und zu einen Zettel mit einem gemalten Bild oder einem Satz als Botschaft zukommen lassen würde. Vielleicht würde auf dem Zettel stehen: „Ich komme dich besuchen und bringe was mit.“ Wer würde sich so einen Zettel in die Bibel legen, oder an den Küchenschrank kleben, und sich dann immer wieder sagen: Ich freue mich darauf, dass mein Freund irgendeines Tages kommen wird und irgendetwas mitbringt. Die meisten Menschen würden doch nachhaken: Du hast vergessen zu schreiben, an welchem Tag du genau kommen willst und zu welcher Uhrzeit. Was wirst du mitbringen? Einen Salat? Ok – wenn du einen Salat mitbringst, würde ich gerne eine Quiche dazu machen und einen Wein bereitstellen. Magst du Gemüsequiche? Und hättest du lieber Rot- oder Weißwein? – Es würde sich also auf die Botschaft des Freundes hin eine Unterhaltung entwickeln. Warum denken wir so oft, dass es anders verlaufen könnte, wenn Gott uns etwas mitteilt?

Wenn wir davon ausgehen, dass Gott sich eine Herzensbeziehung zu uns wünscht, dann dürfen wir auch davon ausgehen, dass Gott uns sein Herz mitteilt. Wenn wir davon ausgehen, dass Gott sich für uns interessiert und uns liebt, dann dürfen wir auch davon ausgehen, dass er von uns hören möchte, was uns bewegt. Wir dürfen davon ausgehen, dass ein echtes Gespräch möglich ist. Dass wir miteinander lachen, weinen, wüten und träumen können. Dass selbst in Gesprächspausen ein Miteinander und ein Austausch stattfindet.

Gott spricht zu uns, wenn wir beten. Gott spricht zu uns, wenn wir im Bus sitzen, duschen, putzen, kochen, arbeiten. Wenn wir lesen, im Gespräch sind und sogar wenn wir schlafen. Aber er quatscht uns nicht zu. Er wartet darauf, dass wir hinhören. Er wartet auf unsere Antwort, auf unser Nachfragen. Er wartet auf unser Herz und unsere Sehnsucht.

 

3 Gedanken zu “Wenn der Löwe brüllt – Gottes Stimme hören #1

  1. Das ist ein wirklich so wichtiges Thema und du hast es so treffend und logisch und auch liebevoll beschrieben! Wenn wir mit unsere Liebsten so kommunizieren würden, wie wir es manchmal mit Gott machen, würden die und ziemlich komisch angucken 😉😄.
    Aber wir vergessen es oft und wundern uns dann, warum Gott nicht zu uns spricht, anstatt einfach mit ihm zu reden, nachzuhaken und viiiiele Fragen zu stellen.
    Vor lauter Angst enttäuscht zu werden und keine Antwort zu bekommen, fragen wir viel zu wenig oder manchmal auch gar nicht.
    Danke für deine liebevolle Erinnerung, wie Gespräche ja eigentlich funktionieren und dass beten ein Gespräch ist 😃👍!
    Und danke für deinen Blogg, er hat mich an Themen herangeführt, die ich so bisher nicht auf dem Schirm hatte, aber echt wichtig sind und dies hat meinen Blick erweitert!
    Danke für deine ehrliche, offene Art, sie tut immer wieder gut zu lesen!
    Liebe Grüße aus Bochum,
    Debby 🙋🏼‍👋🏻

  2. Das ist ein wirklich so wichtiges Thema und du hast es so treffend und logisch und auch liebevoll beschrieben! Wenn wir mit unseren Liebsten so kommunizieren würden, wie wir es manchmal mit Gott machen, würden die uns ziemlich komisch angucken 😉😄.
    Aber wir vergessen es oft und wundern uns dann, warum Gott nicht zu uns spricht, anstatt einfach mit ihm zu reden, nachzuhaken und viiiiele Fragen zu stellen.
    Vor lauter Angst enttäuscht zu werden und keine Antwort zu bekommen, fragen wir viel zu wenig oder manchmal auch gar nicht.
    Danke für deine liebevolle Erinnerung, wie Gespräche ja eigentlich funktionieren und dass beten ein Gespräch ist 😃👍!
    Und danke für deinen Blogg, er hat mich an Themen herangeführt, die ich so bisher nicht auf dem Schirm hatte, aber echt wichtig sind und dies hat meinen Blick erweitert!
    Danke für deine ehrliche, offene Art, sie tut immer wieder gut zu lesen!
    Liebe Grüße aus Bochum,
    Debby 🙋🏼‍👋🏻

    P.S.: … ich bin gespannt auf die Fortsetzung! Das sagt doch das #1, oder? 🤔😃

    1. Hallo Debby, danke für dein tolles feedback. Das freut mich sehr! 🙂 Die Angst einttäuscht zu werden spielt bestimmt eine große Rolle. Und auch die Frage: was ist wenn ich nichts höre? Bin oder glaube ich dann irgendwie falsch…? Ich glaube, dass man das Hören am besten in Gemeinschaft lernt. Und mit Menschen, die darüber reden und ihre Erfahrungen weitergeben, in einem angstfreien Rahmen. Ja – es wird eine Reihe. Schön, dass du dabei bist! Liebe Grüße ins coole Ruhrgebiet aus dem stürmischen Flensburg, Bettina

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