Es gibt Mythen, nach denen die Götter die Menschen auf der Erde besuchten. Um deren Geschicke in die richtige Bahn zu lenken, um sich zu amüsieren oder um sich mit irdischen Gütern zu bereichern. Im neuen Testament der Bibel wird uns nicht davon berichtet, dass Gott die Menschen besuchte. Es wird davon berichtet, dass Gott selbst ein Mensch wurde, in einem menschlichen Leib heranwuchs, und als Mensch zur Welt kam.

„Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns…“  Jesus identifizierte sich bis ins letzte Detail mit uns, und nahm unser Mensch sein an, damit er uns gebrochene Menschen in sein eigenes Bild verwandeln konnte.

Es ist so geheimnisvoll. Nicht zu verstehen. Und doch so einfach und so klar. Gott ‚besucht‘ seine Menschen nicht. Er kommt zu uns, indem er ‚einer von uns‘ wird. Und je mehr wir da hinein schauen, desto mehr verstehen wir, dass es anders gar nicht sein konnte. Das dies der Weg ist, um uns nahe zu kommen. Genauso wie es der Weg ist, für uns zu sterben, damit wir leben können. Gott schenkt sich selbst, dem Menschen, der sich von der Quelle seines Lebens abgewandt hat, damit der Mensch wieder leben kann. Gott wird Mensch, damit der entmenschlichte Mensch wieder wahrer Mensch werden kann.

Und: Jesus steht nicht einfach da. Er erscheint nicht einfach in all seiner Macht, vielleicht mitten im Tempel, oder zu einem großen Ereignis, vor den Augen aller Menschen.

Er kommt in den Leib einer sehr jungen Frau. Er entsteht und wächst in ihr heran, so wie alle Menschen im Mutterleib entstehen und wachsen. Gott macht sich abhängig von einer jungen Frau, die sich bereit erklärte für dieses Wunder, welches sie nicht in seinen Ausmaßen verstehen konnte. Doch sie vertraute. Sie nährte dieses Kind, welches zum Brot des Lebens wurde, gebrochen für uns.

 

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Photo by Pixabay on Pexels.com 

8 Gedanken zu “Die Milch gab unserem Brot

  1. So ganz verstehe ich es nicht, warum du es ablehnst, zu sagen „Gott besucht die Menschen“… Auch wenn er einer von uns wurde, könnte man doch sagen, er besuchte die Menschen?? Widerspricht sich das?? Aber ich muss es vielleicht auch nicht verstehen… In meinem Kopf hakt es da, erkenne den Widerspruch nicht… Danke dennoch für deine Gedanken 😀😀

    1. Es ist noch mal eine andere Qualität als ein Besuch. Von Besuch spricht auch das Alte Testament im weitesten Sinne. Jakob ringt mit Gott, Mose verbringt Zeit mit Gott und sein Angesicht strahlt danach. Elia hat eine Gottesbegegnung, usw. Was neu ist mit dem Kommen Jesu auf diese Erden ist die tatsächliche Menschwerdung Gottes in der Person Jesu. Und dass er also nicht „nur“ als Gott zu uns kommt, sondern wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich ist. Unsere Haut und unsere Knochen sich zu eigen macht. Fleischwerdung nennt die Bibel das. Und dass er damit auch ganz Mensch ist. Mit Gefühlen, körperlichen Empfindungen, den gleichen Schwierigkeiten, Schmerzen, Schwächen und Versuchungen, die wir auch kennen. Das ist nochmal mehr. Er kann sich dadurch wirklich mit uns identifizieren. Er versteht und durch und durch. Das ist besonders.

  2. Vielleicht brauche ich auch die Vorstellung von „Besuch“, weil ich die Geschichte, vor allem als Bilderbuch, von Vater Martin, dem Schuster, so gerne mag… Der bekommt Besuch… Anders als er dachte.. kennst du die Geschichte nach Leo Tolstoi??

    1. Ja – diese Geschichte ist eine ganz besonders Schöne. Und ich denke, da trifft das Wort Besuch dann eher zu, als bei Jesu Zeit als Mensch hier auf der Erde. Vater Martin lebt ja lange nach Jesus und wünscht sich Besuch von ihm. Und es ist so wunderbar beschrieben, wie Jesus ihn in und durch diese armen Menschen besucht. 🙂 Ich habe das Bilderbuch auch noch. Es steht jetzt im Bücherschrank meines jüngeren Sohnes.

  3. Habe deinen vorherigen Kommentar erst jetzt gesehen. Bei mir verzögert sich das immer sehr, bis es hier ankommt… Ja, wenn man z.B. davon ausgeht, dass Gott Eva und Adam in der Abendkühle besuchte… 🙂 Wahrscheinlich kann man viel darüber philosophieren. Mir gefällt die Vorstellung, dass er bleibt, dass er bei mir zuhause ist. Und ich denke an Johannes 1: Er kam in das Seine, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf… Es hat wohl viele Facetten.

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