Ich wünschte, es wäre keine Schlagzeile wert, wenn über 700 Millionen in wenigen Tagen gespendet werden, um eine besondere Kirche wiederaufzubauen.

Ich wünschte, die Nachricht vom Hunger und Elend der Vielen würde die Titelseiten beherrschen, uns entsetzen und unsere Herzen weit machen. Und unsere Taschen auch.

Ich wünschte, es würden Millionen fließen, wenn es um Tod und Leben geht von Menschen. Um das Leben und Wohlergehen unserer Nachbarn, und das der Fernen in den anderen Ländern. Der Geborenen und Ungeborenen.

Ich wünschte, wir würden das, was wir haben, nicht mehr als unseren Besitz ansehen. Sondern als ein Geschenk, das wir verwalten können, um diese Welt heller, bunter, freundlicher und froher zu machen.

Ich wünschte, ich würde weniger für mich wollen. Und mehr für andere. Und wenn ich Erbeeren verteile, mich diebisch freuen, dass die volleren Schälchen mit den saftigeren Früchten an den Plätzen der Anderen landen, geführt von meiner Hand.

strawberries in white bowl
Photo by Alexander Mils on Pexels.com

Ich wünschte, wir würden weniger vergleichen und unseren Wert nicht danach bemessen, wieviel wir haben, sondern wieviel wir geben. Und letztlich nichtmal mehr daran, weil wir begreifen, dass Wert nichts damit zu tun hat, was wir haben, empfangen oder geben.

Ich wünschte, geben und lieben, hinsehen und teilen, trösten und helfen, verbinden und befreien, retten und tragen, wären die Eigenschaften nach denen wir uns ausstrecken.

Ich wünschte, wir würden begreifen, dass die Kirche kein Gebäude ist, sondern dass die Kirche aus Menschen besteht. Und Schönheit sich widerspiegelt in ihren Herzen, die für andere schlagen.

Ich wünschte, dass wir sehen könnten, dass der Himmel offen steht. Dass die Fülle dem gehört, der vertraut – und derjenige reich ist, der gibt.

Ich wünschte, mein Herz wäre schon so.

Und dass die Meldung vom Wiederaufbau eines schönen Kirchengebäudes auch noch irgendwo stünde. Und wir sagen würden: Ach – wie schön. Selbst dafür haben wir genug.

 

 

7 Gedanken zu “Ich wünschte…

  1. Wie recht du hast, Bettina. Beim Spendengeld für Notre-Dame spielt natürlich Nationalbewusstsein und -stolz die größte Rolle. Dass man mit dem gleichen Geld unzählige Menschen überall auf der Welt vor dem Hungertod bewahren könnte, ist klar. Aber so funktioniert es nicht auf der Menschenerde. Leider.

  2. Liebe Bettina, du sprichst mir aus dem Herzen, so ähnliche Gedanken haben mich auch die vergangenen Tage beschäftigt.
    Ich kann mich außerdem für Architektur und großartige Gebäude und Kulturschätze sehr begeistern, aber es ist immer auch ein bitterer Beigeschmack dabei, denn solche Gebäude sind wohl noch nie errichtet worden, ohne dass Menschen darunter leiden mussten bzw ausgenutzt wurden, sei es durch un- oder schlecht bezahlte (Sklaven)Arbeit unter schlechten, unmenschlichen, gefährlichen Bedingungen oder durch hohe Steuerlasten, die allerdings an lebenswichtigerer Stelle gebraucht werden könnten oder durch betrügerische Versprechen wie beim Ablasshandel…
    Wie bereitwillig solche Summen für dieses Gebäude gegeben werden aber nicht für die Not anderer wirkt beschämend, finde ich.

  3. Bin ganz deiner Meinung und hab das auch in meinem Blog heute thematisiert gehabt. Diese Spenden für eine Kirche sind ein Unding, wenn man sich sonst in der Welt umschaut.

  4. Sehr wahr!
    Ich habe nichts gegen den Wiederaufbau, das ist alles gut. Besser wäre jedoch gewesen, aufzupassen, dass so etwas gar nicht erst passiert und dann sind natürlich so viele Ungerechtigkeiten auf der Welt, gegen die kein Hahn kräht, wie du schon ganz korrekt schreibst.
    Liebe Grüße aus Skandinavien von Liv

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