person dropping paper on box
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Puh! Ich finde es seit geraumer Zeit immer schwieriger, mich zu entscheiden, wo ich mein Kreuzchen setzen will. Nicht wählen wählen geht ja gar nicht. Aber wählen wählen irgendwie auch nicht. Immer ist irgendwo ein Haken im Programm, an dem ich meinen Unwillen für die jeweilige Partei aufhänge. Und diese Nummer mit dem kleinsten Übel gefällt mir auch nicht. Schließlich wähle ich ja auch nicht gerne zwischen Fußpilz und Migräne, auch wenn man von Beidem nicht stirbt… (nun Kopfkino: welche Partei ist Fußpilz und welche am ehesten Migräne?!) Der Wahl-O-Mat hilft bei diesem Problem im Speziellen, und half bei den letzten Wahlen im Allgemeinen auch nicht weiter. Bei mir kommen immer die Linken und die Grünen an den ersten beiden Stellen. Und im Prinzip gibt das ganz gut meine Haltungen wieder, bis auf kleine, aber entscheidende Punkte. In Sachen Flüchtlingspolitik ist Die Linke aber sowas von rechts… Danke, das ohne mich. Und obwohl ich mich für leidlich feministisch halte, kann ich bei beiden Parteien die Haltung zur Abtreibung nicht unterschreiben. Ich bin nicht nur für die Rechte der Frauen – ich bin auch für die Rechte der Kinder im Mutterleib. Schade, dass man immer das eine gegen das andere ausspielen muss, und dabei ganz eintscheidend übersieht, dass alle Menschen – auch die ganz kleinen – (Lebens-)Rechte haben. Danke, das ohne mich.

Bei der Europawahl war der Wahl-O-Mat aber hilfreich. Und wir müssen ja auch nicht die 5%-Hürde mitbedenken. Das ist hilfreich. Und so habe ich heute mit Zufriedenheit mein Kreuzchen setzen können. Vielleicht gibt es auch einen Haken, den ich erst im Nachhinein erkenne? Ich hoffe nicht.

Jedesmal wenn ich wählen gehe, denke ich an meine Oma Hilde. Meine Lieblingsoma. Eine einfache Frau. Die ihren Mann während des Kriegs verlor – an den Krebs. Und einen ihrer Söhne – an eine plötzliche Krankheit. In Friedenszeiten hätte er Hilfe bekommen. Während des Kriegs nicht. Die beiden anderen Kinder, meinen Vater und seine Schwester, hat sie mit viel Putzen und viel Not und viel Gottvertrauen durchgebracht. Leider auch mit zu viel Stolz, um angebotene Hilfen anzunehmen, sonst hätte mein Vater studieren können. Ein paar mal hat mich Oma Hilde in ihre Wahlpraxis eingeweiht: „Ich wähle immer die SPD. Aber sags nicht deinem Vater!“ Lange nach ihrem Tod habe ich es dann einmal erzählt – und wir haben alle geschmunzelt. Mein Vater besonders doppelbödig.

Die nächsten, landesinternen Wahlen werden wieder schwieriger. Da muss wieder mit der 5%-Hürde jongliert werden. Sehr schade eigentlich…

Welche Partei ich nun gewählt habe, nehme ich mit ins Grab. Oder erzähle es meinen Enkeln. Ich hoffe, ich habe dann keine Angst, dass meine Söhne herausfinden, wie ich dann meine Kreuz mit dem Kreuzchen lösen werde.

 

 

2 Gedanken zu “Das Kreuz mit dem Kreuzchen…

  1. Es ist mir keine Herzenssache mehr. Zwar gehe ich zu jeder Wahl, aber meine Stimme wird von strategischen Überlegungen bestimmt. Und sie ist nicht schwarz-gelb-blaubraun 😉

    Guten Morgen dir!

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