WP_20181115_10_40_31_Pro_LIPhoto: Bettina Peter

Ich habe gekündigt. Eigentlich schon vor einigen Monaten – aber der Gemeinde wurde es vor drei Wochen mitgeteilt, es hatte früher nicht gepasst. Die Entscheidung fiel bereits im Januar. Es gab immer wieder Situationen, in denen ich gefrustet war und die mich niedergedrückt haben.

Bereits im Dezember haben wir drei Tage gefastet. Wir haben um einen Durchbruch in bestimmten Punkten für unsere Gemeinde gebetet, und es ging auch darum Gott zu fragen, ob unser Weg hier noch weitergeht. Wir haben viel Wegweisung im Gebet empfangen, einiges Tröstliche und Mutmachende war dabei. Und ganz klar Gottes Aussage, dass es erst einmal weitergehen wird und wir bleiben sollen. Im Gottesdienst am Heilig Abend hatte ich dann ein sehr eindrückliches Bild. Ich sah mich im Gottesdienst sitzen (genauso, wie ich an jenem späten Nachmittag dort saß) – und sah, wie Jesus zu mir kam. Er stellte sich vor mich und zog mich hoch von meinem Platz. Dann umarmte er mich sehr, sehr lange. Er nahm dann meine Hand und führte mich aus dem Mittelgang der Gemeinde heraus, und dann aus dem Gebäude. Schon auf dem Grundstück vor dem Kirchengebäude trafen wir auf Menschen, die dort auf dem Boden hockten. Jesus ging mit mir zu ihnen und wir kümmerten uns gemeinsam um sie. Es gab Heilung und Freiheit. Dann ging es weiter in Richtung Stadt. Und da hörte das Bild dann auf. Es war so eindrücklich und stimmig für mich – aber es schien mir unerreichbar. Mit meiner Achtelstelle (5h pro Woche…) und dem tatsächlichen Maß an Arbeit (ca 20-30h) leuchtete mir nicht ein, wie das Bild in Realität kommen sollte. Mein Herz war genau in dem, was das Bild zeigte, aber ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich das noch zusätzlich zu meiner Arbeit in der Gemeinde tun könne (es gibt ja auch noch 2 junge Söhne…). Und dass die Gemeinde gedanklich und geistlich so beweglich sein würde, dass ich meinen Arbeitsschwerpunkt dorthin verlegen könne, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Ende Januar gab es einige Frusterlebnisse, und ich beschloss, eine Woche zu fasten und Gott zu fragen, was er mit dem Bild nun eigentlich im Sinn hatte. Bereits am ersten Fastentag kam eine sehr, sehr deutliche Antwort: Kündige!

Diese Antwort hat mich ziemlich umgehauen. Andere wären vielleicht früher auf diese Möglichkeit gekommen. Ich nicht. An einen Wechsel habe ich gedacht, an Konflikte über meine Schwerpunkte auch – aber nicht an eine schlichte Kündigung. Nachdem ich es aber von Gott gehört hatte, war es glasklar. Es gab keine Zweifel an diesem Weg. Nur Fragen über das wie und wann. Und ich fragte weiter: was soll ich tun. Und bekam deutliche Antworten dazu. Meine Berufung liegt nicht mehr in der Gemeindearbeit. Nicht mehr bei denen, die doch eigentlich schon alles wissen und haben. Meine Berufung liegt bei den Menschen, die außerhalb sind. Und da zeigte mir Jesus eine bestimmte Personengruppe. Wenn ich meinen Weg seit Mitte des Studiums anschaue, ist das, was Jesus zeigte, eigentlich nur logisch und ich erkenne, wie es sich in den letzten 20 Jahren immer mehr genau in diese Richtung entwickelt hat. Eine Frage, die mir sehr unter den Nägeln brannte, war die Frage, wie denn dann mein Lohn zustande kommen soll. Denn die Personengruppe, um die es geht, wird nichts bezahlen können für das, was ich tun werde. Der Vater, dem alles gehört, sagte mir: „Darum kümmere ich mich.“

Es sind spannende Zeiten, die da hinter mir liegen, und noch spannendere, die vor mir liegen. Zu Anfang habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie das alles funktionieren soll. Wie ich da hinein komme, was ich tun werde. Inzwischen merke ich: die Personen finden mich und kommen zu mir. Wie ich das alleine bewältigen soll. Inzwischen bringt mich Gott mit Menschen zusammen, die mich fragen, ob sie mithelfen können. Erst gestern, nachdem ich in einer Gemeinde außerhalb unserer Sadt predigte, kam eine junge Frau, die als Ärztin in der Kinder- und Jugensychiatrie arbeitet, auf mich zu, mit der Bitte um Gebet. Nachdem wir gebetet hatten, fragte sie mich, was ich vorhabe zu tun (ich hatte mich als „Noch-Pastorin“ vorgestellt). Als ich erzählte, wurde sie ganz aufgeregt und sagte dann, dass sie so gern genau dies tun wolle, und ob sie bei mir lernen und mitarbeiten könne…  Eine weitere Frage: wie leben wir ohne mein Gehalt. Wie kommt das, was fehen wird, herein. Wie läuft das, in solch ganz praktischen, aber existentiellen Dingen zu vertrauen. Am Anfang habe ich (ich bin ja recht erfinderisch) viele, viele Pläne gemacht, was ich tun kann, um den fehlenden Lohn herbeizuwirtschaften. Und immer und immer wieder hat Jesus gesagt: Hör auf zu planen. Das ist nicht dein Job. Ich plane und ich sorge für dich. Und inzwischen haben die Sorgen sich immer mehr verabschiedet (es gibt da aber durchaus noch so Momente…). Ich bin gelassener und gespannt, was ich erleben werde.

Ich glaube, ich würde diesen Weg nicht gewagt haben, wenn sich meine Beziehung zu Jesus und zum Vater nicht so sehr vertieft hätte, wie es in dem letzten Jahr geschehen ist. Eine große Wegmarke ist die Konferenz, auf der ich in Gottes Angesicht schauen durfte und eine neue Salbung für meinen Dienst erhalten (komisches Wort, ja – aber ich begreife es langsam, was es bedeuten soll) habe. Eine andere Sache, die mich weitergebracht hat, ist es, dass ich oft während meiner Zeit mit Jesus und dem Vater Abendmahl feiere. Immer dann, wenn er mich dazu auffordert. Und ich kann es noch nicht ganz beschreiben und erfassen, was dort geschieht. Aber ich nehme wahr, dass es einen Unterschied macht, und eine Intimität schafft, die ich brauche, wie die Luft zum Atmen.

Und dann ist da die Sache mit den Engeln. Auch da führt Gott André und mich in neues Land. Wie „zufällig“ in ich auf diese Thema gestoßen, habe gelesen und gebetet. Und dann haben wir es gemeinsam „ausprobiert“. Wir arbeiten und kämpfen nicht mehr alleine. Immer wieder schauen wir, was Gott uns zeigen will, und wo er seine Engel mit uns zusammen einsetzen will. Und wir lernen auch hier, in die unsichtbare Welt zu schauen, und das Miteinander zu lernen. Noch sind wir da ganz am Anfang – aber wir spüren, wie viel leichter alles läuft, wenn wir nicht für uns alleine kämpfen.

Dass ich angefangen habe, einen Lebensstil des Fastens zu führen – ich glaube, das hat so viel ausgelöst. Vor drei Jahren war mir die Sache mit dem Fasten noch ein großes Rätsel – und ich hätte nie gedacht, dass ich das überhaupt schaffen könne. Und jetzt gehört es dazu.

Ende August endet mein Dienst. Bis zum Jahresende will ich eine Sabbatzeit nehmen, in der ich viel Zeit mit meinem Abba verbringen, auftanken, heilwerden, und mich erholen möchte. Ich freue mich auf viele Abendmahle, auf seine Nähe, auf das, was er mir zeigt – und möchte weiter über das Miteinander von Menschen und Engeln lernen.  Und Zeiten des Fastens haben – regelmäßig an einem Tag der Woche. Und längere Zeiten dann, wenn Gott es mir zeigt.

Und was dann kommt, ist noch, wie aus dem Boot zu steigen und auf dem Wasser zu gehen. Es ist wie ein großes Abenteuer. Wie ein Umzug in ein anderes Land. Wie ein starker Frühnebel, durch den man hindurchmuss, in dem Wissen, dass die Sonne durchbrechen wird. Es ist Jesus ist, der meine Hand fasst, und mich in das Neue hineinführt.

 

 

14 Gedanken zu “Vom Fasten und Kündigen, Engeln und Wein am frühen Morgen

  1. Wow, das ist so spannend! Danke, dass du uns da mit rein nimmst und daran teilhaben lässt, auch an dem Prozess… Das ist so wertvoll, viel wertvoller als das Endergebnis präsentiert zu kriegen!! Wobei es ja wahrscheinlich auch irgendwie gar kein ‚Endergebnis‘ gibt im Leben mit Gott!?
    Sei ein Segen! ❤

    1. Ich habe lange überlegt, ob ich darüber schreibe und wie… nun habe es es „irgendwie“ gemacht 😉 Danke für dein feedback ❤ Und ich schätze, du hast da vollkommen Recht: es wird immer weitergehen mit den Prozessen und Abenteuern mit Gott – auch wenn ich mir immer nocht vorstellen kann, was da noch kommen soll … Viele liebe Grüße!

  2. Danke das du das teilst. Ich finde es immer bewundernswert wenn jemand etwas Neues wagt ,ohne das es eine Sicherheit gibt.(ob,du sagst jetzt bestimmt,aber Gott gibt mir diese Sicherheit)Aber dennoch Diesen Mut zu haben finde ich toll…

  3. Sehr spannend. Wir sind gerade ähnlich herausgefordert. Gottes Segen dir und euch!

    „Spirit lead me where my trust is without borders
    Let me walk upon the waters
    Wherever You would call me
    Take me deeper than my feet could ever wander
    And my faith will be made stronger
    In the presence of my Savior“
    (Oceans – Hillsong)

    Liebe Grüße!

  4. Danke für die Offenheit. Es ist spannend zu lesen, wie Jesus führt.
    Ich habe kürzlich mitbekommen, dass meine Frau deinen Blog schon länger liest und sehr gut findet. Gerade auch den Einsatz und das Herz für die Schwachen und Ausgebeuteten. Ein bisschen kann ich die Situation nachempfinden, da ich auch Anfang des Jahres die Gemeinde informiert habe, dass ich wechseln werde, wenn auch erst im Sommer 2020. Voraussichtlich auch wieder in die Gemeindearbeit. Bisher ist aber vieles offen und wir wissen noch nicht was kommt.
    Jesus segne euch!

  5. oha okay… das finde ich jetzt eeeeeeeeeeeeeeeeeecht mutig, das hat mir mal wieder die sprache verschlagen, so dass ich gar nicht weiß was ich sagen soll… aber ich lese ja immer wieder beiträge von dir und finde dich einfach stark… das muss man sich alles erstmal (ver)trauen … 😮

  6. Hallo Bettina,
    ich finde es schön zu lesen, dass du dem leisen Rufen Gottes folgst. Gott wird dich Stück für Stück hineinführen, dir die Weisheit in dem Moment geben, wo du sie brauchst. Weil es ihm wichtiger ist, dass du ihm nahe bist, als dass du jetzt schon den kompletten Plan siehst. Sei gesegnet!

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