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Unser Urlaubswunder ist geschehen. Dass kein Geld für einen Urlaub da sein würde, war uns Ende letzten Jahres bewusst. Deshalb haben wir gebetet und gefragt, was wir tun sollen. Für uns als Pastoren ist es so wichtig, einmal im Jahr weit wegzufahren. Da nutzt es auch nichts, dass wir da wohnen, wo andere Urlaub machen (so sehr wir das auch sonst zu schätzen wissen). Wir wohnen halt auch da, wo die anderen zur Kirche gehen, die Gemeinde aufgeschlossen haben wollen, ihren Ärger an unserer Haustür abladen, mit dringenden Seelsorgeanliegen vor der Tür stehen, oder sch darüber beschweren, dass die Kaffeemaschine nicht funktioniert und sonst noch kein Mitarbeiter zu sehen, ist, der Hausmeister nicht anwesend  ist…und und und… die Liste ist endlos. Und das passiert auch dann, wenn wir frei haben. Also ist es gut, einmal im Jahr unerreichbar zu sein… und so weit weg, dass man auch wegen einer Beerdigung nicht kurzfristig einspringen kann. Die Antwort auf unsere Urlaubsfrage an Gott war: „Nichts buchen – ihr bekommt ein Urlaubsgschenk.“

Je näher unser Urlaub rückte, desto ruhiger wurde ich darüber, dass noch nichts in Sicht war. Paradox irgendwie. Erst zwei Wochen vorher kamen einige Sorgen und Zweifel. Würde da noch etwas kommen? Und zugegeben: ich habe dann doch mal Last Minute Angebote gegoogelt – aber die waren preislich jenseits von Gut und Böse. Ich habe das dann ganz schnell wieder gelassen und beschlossen, weiter zu glauben. Zehn Tage vor dem Tag X, ab dem wir Urlaub eingereicht hatten, rief eine gute Freundin abends an. „Ihr könnt unser Wohnmobil haben. Die Leute, die es sich leihen wollten, haben kurzfristig etwas anderes entschieden und gerade abgesagt.“ Und nun haben wir unser Urlaubsgeschenk freudig angetreten (und die Schwiegereltern machen da Urlaub, wo wir wohnen und wo andere Urlaub  machen 😉 ) und mit dem Wohnmobil unterwegs – zu einem Freundschaftspreis – in Nordfrankreich. Mehrmals wild gecampt – und zwischendurch gönnen wir uns immer mal ein paar Tage Campingplatz mit Dusche und Waschmaschine. Danke, Vater in Himmel, für dieses Geschenk ganz nach unserem Herzen.

Und dann gleich noch ein Wunder: der jüngere Sohn klagte über schlimme Zahnschmerzen und ass nichts mehr. Nach einem Blick in den Mund ein kleiner Schrecken: ja – da war etwas unbemerkt ziemlich kariös geworden. Die Zahnärzte in Frankreich verstehen gewiss ihr Handwerk – aber sie haben keine Termine frei… (zum. in bestimmten Regionen) – das kennen wir aus einem Urlaub vor 3 Jahren – da hatte ich einen abgebrochenen Backenzahn – in der Mitte gespalten – und unaushaltbare Schmerzen. Nichts zu machen – im Jura gab es (auch für die Franzosen, wie uns berichtetet wurde) einen Notstand an Zahnärzten und Terminen. So fuhren wir dann für einen Tag zurück nach Deutschland, auf gut Glück – und ich wurde notdürftig behandelt – es hielt gerade bis zum Ende des Urlaubs.  So war unsere Hoffnung auf einen Termin für den Sohn recht gering. Und wir beteten um Hilfe. In einem sehr kleinen Örtchen haben wir einen Supermarkt angesteuert und wollten an der Kasse nach der Adresse eines Zahnarztes fragen. Doch Gott kam uns zuvor 🙂 Und es kam viiiel besser: Eine alte Dame bat André um Hilfe. André hat zwar nie Französich gelernt, versteht aber interessanterweise sehr viel. Da er sich aber nicht ausdrücken kann, holte er mich dazu. So erfuhr ich von der alten Dame über die Partnerschaft ihres Hockeyclubs zu einem deutschen Hockeyclub – über die Hymne, die beide Clubs teilen (sie sang eine Zeile) und über das wunderbare Französisch der saarländischen Clubmitglieder. Normalerweise spreche sie auch deutsch, aber das Deutsch meines Mannes könne sie beim besten Willen nicht verstehen, es wäre so anders als das der Hockeyspieler. (Saarland halt 😉 )  Wir kamen dann auch auf ihr Anliegen, und ich las ihr die Inhaltsstoffe auf einer Packung Löffelbiscuits vor.  Danach fragte ich sie, ob sie eine Ortsansässige war (war sie) und einen Zahnarzt kenne für unseren Sohn. Kannte sie. Aber sie war sich nicht sicher, ob die Zahnärztin anwesend sei und schon gar nicht, ob wir die Chance auf einen Termin hätten (oha – das kannten wir schon). Dann fuhr sie vor uns her zur Zahnärztin und während wir das Wohnmobil parkten, huschte sie in die Praxis und legte ein gutes Wort für uns ein. Und erklärte uns kurzerhand zu Bewohnern eines nordischen Landes (denn wir waren an der D-Day-Küste unterwegs…). Eine halbe Stunde später waren wir wieder aus der Praxis heraus. Der Sohn bekam den Milchzahn gleich gezogen und war unheimlich tapfer. Der neue Zahn sitzt schon kurz vorm Durchbruch. Auch hier haben wir eine Gebetserhörung erlebt.

Das mit den Gebetserhörungen, Wundern und das ganze Thema Heilung an sich beschäftigen mich jetzt seit geraumer Zeit. Besonders in den letzten fünf Jahren, und zugespitzt noch einmal seit ca. einem Jahr. Wir erleben Wunder und Heilungen. Besonders seitdem wir uns mehr und mehr danach ausstrecken. Nicht erst seit 5 Jahren – auch schon viel länger. Aber seit 5 Jahren ist es sehr präsent für uns. Die junge Frau, die eine Zeitlang bei uns lebte, hatte durch Folter und Missbrauch so viele körperliche Schäden – und wir erlebten so viele wundersame Heilungen, wenn wir ihr die Hände aufgelegt und gebeten und geboten haben. Manche waren so krass, dass man sie nicht aufschreiben kann – nur den Menschen erzählen kann, die sich auch danach ausstrecken und offen sind.

Eine Frau, die damals die Gebetsrundbriefe an Gebetshäuser in aller Welt weiterleitete, erkrankte in dieser Zeit sehr schwer. Und immer will mir nicht aus dem Kopf, ob es mit unseren Aktivitäten – unseren Gebetsanliegen – zusammenhing. Lange Zeit wurde für diese Frau, eine Mutter von vier noch kleineren Kindern – gebetet. Ich traf sie zweimal auf einer Heilungskonferenz und ich habe bis zum Schluss für sie gebetet. Vor einer Woche wurde sie beerdigt. Der Umgang ihrer engsten Menschen war einer des Glaubens – bis zuletzt – noch auf der Beerdigung – wurde geglaubt. An Heilung. Und schließlich an Auferstehung. Und durch ihre Art bis zuletzt zu glauben und jeden Unglauben (auch in Form von Menschen) aus ihrem Umfeld fernzuhalten, habe ich Vieles gelernt. Parallel zu ihren letzten Tagen las ich immer wieder den Text über die Auferweckung der Tochter des Jairus – und ich habe den Text und die Art und Weise wie Jesus hier vorging, ganz tief neu verstanden. Die Frau, für die gebetet und gefastet wurde, ist nicht auferstanden. Und wir beten weiter für ihren Mann und ihre Kinder.

Eine Totenauferweckung haben wir dafür zu Pfingsten 2018 erlebt. Dort fiel ein alter Mann, der af der Bühne Zeugnis geben wollte, plötzlich um. Durch einen Arzt, der Besucher der Konferenz war, wurden sofort Wiederbelebungsbemühungen eingeleitet. Und bald darauf traf der Notarzt mit seinem Team ein. Ca 45 Minuten haben die Teilnehmer der Konferenz gebetet, gekniet und Gott um ein Wunder angefleht. Der Mann war zwischendurch tot – und dann – eigentlich schon nach der Zeit, in der es möglich ist, hatten die Wiederbelebungsversuche Erfolg. Er war wieder im Leben. Und blieb im Leben. Die Atmosphäre während dieser Gebetszeit (der Mann wurde auf der Bühne mit Sichtschutz behandelt) war sehr bewegend und für die meisten war ganz klar: Hier haben wir in Deutschland eine Totenauferweckung erlebt. Was in anderen Ländern seit geraumer Zeit geschieht, ist auch hier möglich.

Auferweckung und Tod, Heilung und das Krankbleiben… wie hängt das alles zusammen? Warum geschieht es mal so – und dann wieder anders? Darauf gibt es viele Antworten. Viele Theorien. Keine davon ist wirklich befriedigend.

Wir sind überglücklich, wenn wir Heilung erleben. So wie vor einem Jahr, als eine junge Frau aus meiner Jüngerschaftsgruppe von einem Moment auf den anderen von Fibromyalgie geheilt wurde. Und danach von Depressionen, Borderline und Ängsten befreit wurde. So wie Ende letzten Jahres, als ihr Freund von einer Art Muskeldystrophie geheilt wurde. Er konnte gar nicht mehr laufen. Heute geht er mit seinem Hund spazieren, treibt Sport und kann bald eine Ausbildung anfangen. Vor einem Jahr wäre das ein unmöglicher Gedanke gewesen. Andere aus der Gruppe bekamen teilweise Heilung. Oder kurzfristige Besserung und dann wurde es wieder wie vorher. Auch hier gibt es viele Theorien und Erklärungsansätze. Die meisten sind sehr lieblos und werden den Menschen nicht gerecht. Und Gott auch nicht.

Ich persönlich glaube, dass unser Vater im Himmel gut ist. Ich glaube, dass er Krankheit und Leid hasst. Ich glaube, dass er alle Menschen heilen will. Ich glaube nicht daran, dass Gott Krankheit zulässt, um zu züchtigen oder zu erziehen. Ein Gottesbild, das hinter so einer Theorie, so einem Denkansatz steckt, ist furchtbar (aber leider weit verbreitet). Ich habe eine Beziehung zu einem Gott,der mein guter Vater ist, der Leben und Gutes und Freiheit und Heilsein will und großzügig und ohne Gegenleistung verschenkt. Das jeweilige Gegenteil entspringt nicht aus Gott, sondern aus einer ganz anderen, destruktiven Quelle.

Viele Fragen bleiben (noch) offen. Und ich werde weiter beten, fasten, Hände auflegen. Glauben und festhalten an Gottes Güte. Warten auf Antworten. Auf neue Wege, neue Kraft.

Ich glaube, dass wir Jesus-Nachfolger noch nicht in unserer ganzen Kraft stehen. Dass wir einen Hunger brauchen nach Intimität mit Gott.  Einen Hunger danach, so zu leben, wie er es sagt. Wie Jesus es vorgelebt hat. Jesus hat gesagt, dass wir dieselben, und sogar größere Werke tun werden, als er getan hat. Ich glaube daran, dass Jesus die Wahrheit gesagt hat. Ich glaube daran, dass wir in unserem Hunger nach Gott wachsen werden und uns immer mehr nach ihm ausstrecken werden. Ich glaube daran, dass wir Christen nicht mehr nur Mitläufer sein werden, die die Glaubensdinge und Richtigkeiten nachplappern, aber nicht in ihnen leben. Sondern dass wir in eine tiefe, neue Herzensbeziehung mit ihm wachsen werden. Und dass dann Kraft freigesetzt wird. Und dass dort, wo wir unseren Fuß hinsetzen, Heilungen und Befreiungen geschehen werden.

Ich bete darum, dass es bald geschieht. Und halte ihm meine Fragen, meine Freude über Heilung, meine Trauer über Krankheit und Tod, hin. Und rede mit ihm darüber. Und schaue in sein Gesicht. Auf dass ich verwandelt werde und neu schauen darf.

 

 

 

 

 

9 Gedanken zu “Urlaubswunder, Heilung und Sterben, ein gezogener Zahn und offene Fragen

  1. Danke für diese ermutigenden Beispiele für Gebetserhörungen! Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie Gott die Fäden in der Hand hält! Wir müssen eben nur den Mut und die Gedulf haben, auf seine Antworten zu warten. Für mich immer wieder eine echte Herausforderung. Aber es gehört wohl zum Lernen und Wachstum im Glauben dazu…

  2. Zum ersten Teil habe ich gedacht: „Voll schöner Urlaubsbericht.“ Manchmal würde ich auch gerne wildcampen, aber ich traue mich nicht, weil ich nicht weiß, ob das wirklich erlaubt ist und ob man sonst totalen Ärger bekommen kann.
    Und beim zweiten Teil dachte ich mal „Klingt sehr schön“ und dann: „Verdammt, nichts wie weg hier, das kenne ich doch noch zu Genüge!!!“, aber dann hab ich gelacht und gedacht: „Das ist so ne Charismatikerin!“ 😀

    1. Hallo Bithya,, mit dem Wohnmobil kann man in Frankreich an ganz vielen Stellen wild campe. Nur mit Zelt geht das allerdings nicht und auch nicht mit dem Wohnwagen. – Danke für dein feedback. Ich lese ja auch ab und zu bei dir, und habe mitbekommen, dass du sehr verletzende Erfahrungen gemacht hast. Deshalb kann ich deinen Kommentar etwas verstehen und einordnen. Ich werde nicht so gerne in Schubladen eingeordnet – auch nicht in christliche Schubladen. Mein Weg ist vielleicht so ganz anders, als ein Leser sich das aus einem Text – oder auch aus mehreren zusammenreimen kann. Wo du Recht hast: ich finde den Heilgen Geist ganz wunderbar und lebe mit den Geistesgaben. Ich habe auch Gemeinden oder Gemeinschaften kennengelernt, die missbräuchlich damit umgehen, oder ihre eigenen Erkenntnisse zum Maßstab für alle machen und Menschen mit anderen Erfahrungen damit sehr unter Druck setzen oder als nicht geistlich genug betiteln. Dort bin ich nie hängen geblieben und immer sehr schnell wieder geflohen. Trotzdem entdecke ich immer wieder neue Dinge, tiefere Intimität zu Gott und glaube, dass noch ganz viel möglich ist. Jede/r geht seinen eigenen Weg mit Gott. Ganz unterschiedlich.Das finde ich an unserem Vater so wunderbar, dass das für Ihn ganz in Ordnung so ist. Viele liebe Grüße, Bettina

      1. Oh, Entschuldigung. Ich wusste nicht, dass du das nicht magst. Ich hab halt deinen Text gelesen und gedacht, das kenne ich halt vor Allem aus charismatischen Kreisen. Wobei charismatisch für mich nicht unbedingt was Schlechtes ist. Ich hab einfach gedacht, ok, sie sieht die Dinge eben so und hat diese Erfahrungen gemacht. Ist doch schön. Also es war eigentlich eher lieb gemeint. LG

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