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Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erleben. Durchaus auch Kurioses. Wenn man auch schonmal auf Campingplätzen übernachtet, gibt durchaus noch mehr davon. Meine zwei Favoriten des Kuriosen:

Kuriosum #1 – gesichtet auf einem Campingplatz in Beaumont-Sur-Sarthre:

Wir sind auf der Rückreise und übernachten auf einem wunderbar kostengünstigen und wunderbar sauberen und wunderbar leisen Campingplatz in dem schönen Städtchen an der Sarthre. Ein Zufallsfund. So wie auch folgende Szene, die ich beobachte, während ich das Frühstück vorbereite. Schräg gegenüber parkt ein großes Wohnmobil, ein echtes Dickschiff. Plötzlich fällt mein Blick auf den Besitzer, der von seinem morgendlichen Waschgang zurückkehrt. Gekleidet in einen Hermelinmantel. Ich blinzele, beuge mich nach vorne. Ist es vielleicht doch nur ein roter Bademantel mit weiß-schwarzer Borte? Es stimmt beides: dieser Morgenrock/Bademantel ist einem Hermelinumhang täuschend echt nachempfunden. Er ist weinrot, und an dem Ärmeln und am unteren Saum ist eine weiße Pelzborte mit schwarzen Flecken. Würdig schreitet der Träger des Mantel über die Wiese zu seinem Dickschiff. Erst muss ich lachen – und dann denke ich: warum nicht? Es ist doch auch schön, sich jeden Tag wie ein König zu fühlen…

 

Kuriosum #2 – gehört in einer Waschzelle auf einem Campinplatz in Ambleteuse:

Ich wasche mich am Morgen in einer Waschzelle des Campingplatzes. Mein Zellennachbar ist für mich nicht zu sehen, aber ich kann ihn hören. Ich schätze ihn auf: 60-75, männlich, etwas korpulenter. Der Mann hat hörbar gute Laune. Das verdankt er nicht zuletzt seinem Radio, das er mit in die Waschzelle genommen hat. Während er seine Morgentoilette verrichtet, singt er jedes, ja jedes einzelne Lied wortwörtlich mit. Nein, es sind keine Chansons, es ist absolut waschechte 😉 Volksmusik. Ich höre von Reisen in alle möglichen französischen Städte, von der Liebe zu einer schönen Frau, deren Namen ich vergessen habe. Eines der Lieder vergesse ich nicht: Es handelt davon, dass ein Pfaffe ins französische Dörfchen kommt. Es scheint sich jede einzelne Frau dieses Dörfchens in die attraktive Geistlichkeit zu verlieben – was zu schwerem Verdruss bei den männlichen Bewohnern dieses Dorfes führt. Es erinnert sehr an ein Setting aus einem Asterix-Comic. Der Mann neben mir singt begeistert und schwungvoll mit. Ich grinse über beide Ohren. Zuhause gehe ich nie ohne Buch ins Bad. Ist mir sonst zu langweilig. In dieser Waschzelle in Ambleteuse fehlt mir mein Buch nicht. Der gut gelaunte Nachbar hat mich großartig unterhalten.

 

Kusiosum #3 – selber veranstaltet – in einer Boulangerie-Patisserie-Quicherie in Calais:

Für das nächste Kuriosum haben wir selber gesorgt. Man kann ja nicht nur unterhalten werden. Mann sollte auch den Bewohnern des besuchten Landes etwas bieten. Schaffen wir mit Links und ohne nachzudenken. Auf der Rückreise haben wir 38 Grad. Wir beschließen, die Rückreise mit einem Bad im Meer und einem anschließenden Gewohnheitsbesuch (alle Jahre wieder) im klimatisierten, örtlichen Decathlon zu beginnen, und erst später im aufgeheizten Wohnmobil zu saunieren. Alles erledigen wir zu unserer Zufriedenheit, doch hernach verspüren wir Hunger. Mein Blick fällt auf eine Boulangerie-Patisserie, die auch Quiches und Pizzas zum Mitnehmen anbietet. Kurzerhand stoppen wir und gehen in den Laden, um uns etwas auszusuchen. Jedes Familienmitglied wählt eine individuelle Pizza aus. Ich will zahlen. Um das besser tun zu können, lege ich mein Handy (in welchem mein Zahlungsmittel sich befindet) kurz auf die Theke. Es macht „rumms“ und ich sehe mein Handy hinter der Glasscheibe zwischen Madeleines und Tartes au citron meringuée und Eclairs liegen. Ich schaue recht entsetzt und entschuldige mich bei der Verkäuferin. Diese ist freundlich und reicht mir mein Handy über die Theke. Der Bezahlvorgang ist noch nicht abgeschlossen und um ihn nun endlich zuende zu bringen, lege ich mein Handy wiederum auf die Theke — und sehe es hinter der Glasscheibe, zwischen Madeleines und… Mein Gatte will mir zu Hilfe eilen und die peinliche Situation retten. Den riesigen Karton mit den 4 nebeneinanderliegenden ovalen Pizzas stellt er kurzerhand auf der Theke ab. Der Pizzakarton ist bestimmt 50×80 cm groß – doch wie durch einen kuriosen Zufall fällt auch der Karton durch den ca 10 cm breiten Schlitz der Glastheke, öffnet sich und die Pizas fallen mit der belegten Seite nach unten auf kunstvoll verzierte Kekse. Der Gatte und ich reden nun laut durcheinander und entschuldigen uns wortreich. Die junge Bedienung verzieht keine Miene, bleibt freundlich, fischt die Pizzas und den Karton aus der Patisserie heraus, legt die tomatensaucenverschmierten Kekse beiseite und kassiert. Ich entschuldige mich nach endlich geglücktem Bezahlvorgang ein letztes mal – und sie lächelt und meint, es sei nicht schlimm. Im Wohnmobil angekommen schmeißen der Gatte und ich uns vor Lachen auf den Tisch. Und jedes mal, wenn wir uns die Geschichte neu erzählen, fließen Tränen. Diese Geschichte ist auf unserer Liste der selbsterledigten Peinlichkeiten und Kuriositäten ganz nah an der, an dem ich einem afrikanisch-französischen Mann eine Creme anbiete, die gegen Wiesen hilft – aber dazu dann ein anderes mal.

 

6 Gedanken zu “Kuriositäten #1 – von Königen und Waschfreuden auf Campinplätzen

  1. Ich war ja leider nicht dabei in der Patisserie-Confiserie- Dingsda-serie, aber ich liege trotzdem vor Lachen fast unter dem Tisch!!! Das hast Du sehr schön und unterhaltsam geschildert. Die Szene würde sich auch für eine Verfilmung eignen…
    Auch die beiden anderen Episoden haben mich herzlich schmunzeln lassen.
    Euch noch angenehme Restferien und viele liebe Grüße, Barbara

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