Ein paar Tage nachdem wir in den Urlaub gestartet waren, hat mich ein fieser Virus erwischt. Mit allem drum und dran und auch recht hartnäckig. Während die Männer der Familie auf der schönen Ile de Ré die Sonne und die hohen Temperaturen meist im Wasser genossen, saß ich währenddessen im Schatten vor dem Wohnmobil auf dem Campingplatz, bestaunte das dortige soziale Leben (es war unser erster richtiger Campingurlaub), las, und versuchte das Beste aus der Situation zu machen und das zu tun, wozu sonst oft die Zeit fehlt: ganz lange Zeiten mit meinem Abba, Yeshua und Ruach zu verbringen. Das war sehr schön und hat mich mit Zufriedenheit und Frieden erfüllt. Ganz wunderbar war es, dass mein Mann in dieser Zeit jeden Tag gekocht hat – denn ich war echt viel zu schlapp. Nach Jahren der Abstinenz von Fleisch, habe ich während meiner Krankheitszeiten vor ca einem halben Jahr einen krassen Heißhunger auf Fleisch gehabt… und seitdem kauft mir der standhaft vegetarisch bleibende Gatte oft ein Stück Fleisch. Eher gesagt: mir und dem jüngsten Sohn. Der ältere Sohn ist jetzt seit 5 Jahren komplett fleischlos (ist ja auch egal… aber ich komme hiermit den zu erwartenden Nachfragen zuvor).

An einem Montag im Monat Juli also ersteht der Gatte am Vormittag für mich und den jüngsten Sohn ein halbes Hähnchen. Ein Kauf, auf den er stolz ist, denn diese Grillhähnchen sind meist im Laufe des Tages ausverkauft. Wir beschließen, am Abend warm zu essen und das Hähnchen dann in der Pfanne auszuwärmen. Danach gehen die Männer Stand-Up paddeln, Bodyboarden, sich im Sand panieren usw. Wir trinken Kaffee, snacken, spielen Brettspiele, lesen. So gegen 18 Uhr denke ich darüber nach, welchen Wochentag und welches Datum wir gerade haben. Ich will überschlagen, ob ich schnell genug gesund werden könnte, um noch in dem türkisblauen, klaren Wasser der Insel zu schwimmen oder nicht. Ich komme auf den Wochentag und das Datum – und realisiere: es ist unser 24. Hochzeitstag! Alle Familienmitglieder sind um mich herum, und ich sage zu dem Gatten: „Wir haben heute Hochzeitstag.“ Der Gatte schaut mich zunächst verständnislos an. Dann schaut er etwas entsetzt und schlägt sich mit der Hand vor die Stirn. Und dann wird sein Gesichtsausdruck entspannter. Er steht vor mir, beugt sich nach vorne und klopft sich auf die Schenkel und ruft (gegen seine Natur) sehr laut: „Na, wenigstens habe ich dir zum Hochzeitstag ein halbes Hähnchen gekauft!“ Nach zwei Sekunden Schweigen bekommen wir beide einen Lachkrampf, der sich gewaschen hat und auch die Söhne werden von unserem Lachen angesteckt. Möglicherweise bin ich die einzige Frau auf diesem Planeten, die zu ihrem Hochzeitstag mit einem halben Hähnchen beschenkt wurde.

Gefeiert haben wir dann aber doch noch. Später – nach dem Urlaub – sind wir schön Essen gegangen und haben nachher noch einen Spaziergang mit dem Hund am Strand gemacht. Ach ja… an diesem Tag habe ich nicht das halbe Hähnchen gewählt 🙂 .

16 Gedanken zu “Ein halbes Hähnchen zum Hochzeitstag

  1. Ich hatte zum Hochzeitstag mal Pommes an der Pommesbude. Da waren wir im Urlaub in Belgien und wollten lieber zuhause richtig schön essen gehen. Dafür gab’s zur Feier des TAges ne Dose Cola dazu! 😉

    1. Mama von Sechs? — Echt? Kenn ich! Kenn ich! Kenn ich!
      Ich bin mir nicht sicher… Ist das ein Kompliment: Du siehst nicht aus, wie die Mutter von 6 Kindern?

      Antschana hört sich sehr, wirklich sehr tschetschenisch an.

      Um die Ethnizitäten geht es nicht. Was ich sagen wollte: Ihr seid zwei sehr schöne Menschen. Ihr seht seeeeeeeeeeeeeeehr harmonisch nebeneinander aus. Yep.

      1. Huhu 🙂 Antschana hat wirklich sechs Kinder und sieht unglaublich toll aus, das finde ich auch! – Ich habe zwei Jungs und empfinde das auch schon als extreme Leistung.

        Danke dir!
        LG, Bettina

      2. Du, Bettina, ich habe auch sechs Kinder. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das ein Kompliment ist, wenn man mir sagt: „Du siehst nicht wie die Mutter von sechs Kindern aus.“ Eigentlich sind das sieben. Das älteste ist 41 und ist am schlimmsten 😀 Zwei Jungs – super. Nach meiner Großen bin ich mit den Zwillingen schwanger geworden 😀

      3. Ich glaube, dass die Leute es als Kompliment sagen… aber wenn man näher drüber nachdenkt, kann es auch ganz schön antikomplimentig ankommen… 😉 Ich bewundere alle Frauen, die viele Kinder haben. Wir waren schon mit zweien (na gut, der Älteste schlief nie… die ersten 6 Monate schlief er von 24 nur 6h und das nicht am Stück… und tagsüber nie) sooo fertig und übermüdet. Zwillinge erscheinen mir dann aber nochmal eine Herausforderung zu sein – oder ist das ein dummes Vorurteil?

      4. Wie kann es Vorurteile gegen Mütter mit Zwillingen geben? Das hat doch der Mann verbrochen 🙂 Ich weiß, was Du meinst, Bettina. Unsere Kinder halten uns z.B. für asozial. Nach drei Kindern hätten sie aufgehört. Meine Große hat nach der Geburt des jüngeren Bruders immer wieder versucht, ihn zu verschenken. Über die Schwester hat sie sich allerdings gefreut. Mit dem jüngsten Bruder hat sie sich abgefunden. Inzwischen ist sie eine weise 8-Jährige 😉
        Unseren ersten Sohn habe ich in der 24. SSW verloren. Wir haben nicht mal geglaubt, dass ich wieder schwanger werde. Es hat fast 10 Jahre gedauert. Unsere Kinder sind ein Segen.
        Jetzt rutschen wir ab in die Armut, das war alles, woran ich damals gedacht habe. Den Gesichtsausdruck meines Mannes werde ich nie vergessen. Wir lieben die Kids. Einen von den Zwillingen abzugeben war nie eine Option 😀

      5. Oh – ich glaube, jetzt hast du mich doch falsch verstanden? Meine Frage war, ob es mit Zwillingen nicht furchtbar anstrengend ist, so wie ich das immer höre….: du stillst das eine, während das andre schon schreit – oder hast gleich beide an der Brust… wenn du eines zufrieden hast … weint das andere usw. Oder ob das nur ein Klischee ist? – Das ist doch nicht asozial! Kinder haben ist sehr sozial – finde ich 🙂 Ich wüsste nur nicht, wie ich das schaffen könnte… ich finde es jetzt schon manchmal sehr herausfordernd. Und ein Kind abgeben… niemals. Was für einVerlust mit eurem ersten Sohn! Und wie schön, dass ihr doch noch Kinder bekommen habt. Wir haben unseren ersten mit 35 (wir sind gleich alt) bekommen… und merken das Alter da schon irgendwie das ein oder andere mal. Nächte durchmachen – das geht nicht mehr so gut… 😉

      6. Huhu Linda – ich wollte gerade auf deinen letzten Kommentar antworten – zu schnell getippt – fasche Taste erwischt – deinen Kommentar und meine angefangene Antwort gelöscht. Tsss – neulich wollte ich wirklich etwas löschen, und da ging es nicht – und jetzt so nebenbei… Was ich antworten wollte: Ich glaube, bei euch ist es eher selten langweilig, mit sechs Kindern, den Katzen und Hunden und all den Renovierngsarbeiten 😉 Wenn ich deinen blog lese, glaube ich, dass es bei euch sehr lustig zugeht. – Was ich jetzt tue, fragst du. Hmmm… ich hatte ja vor sechs Tagen meinen letzten Arbeitstag als Pastorin… und jetzt mache ich erstmal Sabbatzeit bis Ende Dezember (mindestens). Ich habs nötig. Und sammle Kräfte für das, was dann kommt. Ich weiß in welche Richtung es gehen wird, aber alle Details und Umstände sind noch unbekannt. 🙂 Es wird erstmal kein Gehalt geben und ich werde schritt für Schritt sehen, was entstehen wird. Ich habe schon gedacht: jetzt bin ich eine Aussteigerin – aber es ist schon noch mal anders… Von Gott abhängig. Von Gebet. Und danach hast du auch gefragt. Und ja! Gerne bete ich für dich, dass du die Stelle bekommst. Magst du mehr darüber erzählen? Falls nicht öffentlich findest du meine email ja im Impressum 🙂

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