operation-zucker-jagdgesellschaft-aufreibende-fortsetzungBild: Szene aus dem Film: Operation Zucker – Jagdgesellschaft

In Deutschland werden Kinder verkauft. Für Sex. Oder besser gesagt: Missbrauch. Oftmals geht dieser Missbrauch in eine sehr sadistische Richtung. Die Kinder, die verkauft werden, sind zwischen 0 und 17 Jahren.

In Deutschland gibt es Kunden für diesen Kinderhandel. Kunden, die bereit sind, sehr viel Geld zu zahlen, um mit Babys, Kleinkindern, Schulkindern oder Teenagern die Art Sex zu haben, auf die sie stehen. Alles ist erlaubt. Schmerz, Erniedrigung, Perversität und manchmal auch der Tod als Folge.

Kaum zu glauben. So furchtbar, dass man gerne sofort leugnen möchte. Oder herunterspielen. Es sind doch nur ein paar wenige Fälle, oder? Um das Ganze möglichst ganz weit wegzulenken von der eigenen Lebenswelt, wird vielleicht gedacht: es sind ein paar Kinder aus Thailand oder Rumänien, die hergeschmuggelt wurden. Kindern, die in unserem Land geboren werden, passiert das nicht, oder? (und vielleicht ertappt man sich hier auch dabei, dass man insgeheim und unbewusst doch noch rassistische Gedanken zu hegen imstande ist – denn wäre es weniger schlimm, wenn es „nur“ ausländische Kinder wären?)

Die Wahrheit ist, dass in unserem Land Kinder aus Thailand oder Rumänien oder sonstwoher, aber auch weiße, deutschsstämmige, in Deutschland geborene Kinder zu Prostitutionszwcken und Pornodrehs gehandelt werden. Kinder aus der Unter-, Mittel- und Oberschicht, wenn man die Gesellschaft so gliedern möchte.

Der Film „Operation Zucker – Jagdgesellschaft“ (voraus ging „Operation Zucker“, in welchem es besonders um den Handel mit ausländischen Kindern ging) greift dieses Thema auf. Mit dem Hintergrundwissen, das mir zur Verfügung steht, würde ich sagen, dass dieser Film unglaublich gut umsetzt, was in unserem Land (und wahrscheinlich in jedem Land dieser Welt) vor sich geht.

Durch unsere aufsuchende Arbeit von Frauen in Bordellen und Bordellwohnungen, begegnet mir dieses Thema seit neu Jahren auf Schritt und Tritt. Ich höre immer mehr. Ich sehe immer mehr. Ich komme mit immer mehr Menschen in Kontakt, die selber Opfer von Kinderhandel zu Prostitutionszwecken und Darsteller in Pornofilmen waren. Jetzt sind sie erwachsen, und die seelischen, geistigen und körperlichen Folgeschäden (abgesehen von dem Grauen, das sie in der Kindheit überlebten) sind enorm, kaum zu fassen.

Wenn ich durch unsere Stadt (ca. 93 000 Einwohner) laufe, sehe ich Häuser und Wohnungen, Garagen, Lagerhallen, Hinterhöfe, in denen ich Kinderhandel zu Prostitutionszwecken vermute. Manchmal sind es auch nur Orte, an denen Kinder vermutlich „zwischengelagert“ werden. In beiden „Operation Zucker“-Filmen, die ja inzwischen auch schon ein paar Jährchen älter sind, wird der Zuschauer auf Zeichen hingewiesen, die in dem Geschäft „Kunden“ auf die „Ware Kind“ aufmerksam machen. Gehe aufmerksam durch deine Stadt und schau dich um. Dann kannst du solche Zeichen entdecken. Sie wechseln von Zeit zu Zeit. Man ist erfinderisch. Es sind Zeichen in Fenstern, auf Klingelschildern und zur Zeit sind es vor allem Grafftitis. Man muss davon ausgehen, dass die Kinder nicht ständig vor Ort sind, sondern nur manchmal, zu verabredeten Zeiten. Und vielleicht auch nur kurz – um dann mit dem Kunden mitzugehen, bzw. zu Kunden „geliefert“ zu werden. Die Täter gehen verschwiegen und fast unsichtbar vor. Aber doch eben nicht vollkommen unsichtbar. Die Täter sind vernetzt. Sie sitzen in allen Institutionen, die ihnen gefährlich werden könnten. Sie besetzen Positionen und haben Macht. Aussteiger werden unter Druck gesetzt. So gelingt es, dass alles im Dunkeln bleibt, selten einmal wirklich aufgedeckt und bestraft wird. Dass selten einmal Kinder wirklich befreit werden und Hilfe finden. Man munkelt in Helferkreisen, dass befreite Kinder möglicherweise auch wieder auf rätselhaften (oder dann doch irgendwie sehr nachvollziehbaren, aber unaufdeckbaren) Wegen in der Parallelwelt des Kinderhandels verschwinden.

Der Film zeigt alle diese unvorstellbaren Tatsachen sehr deutlich und nachvollziehbar. Und wir dürfen uns sicher sein: das Ausmass ist nachdem der Film gedreht wurde, wieder angewachsen.

Ich ermutige sehr, sich diesen Film in der Mediathek (er lief letzten Mittwoch in der ARD) anzuschauen. Er ist so augenöffnend. Er ist aber auch kaum auszuhalten und hinterlässt ein Grauen, dass einen eine ganze Weile begleitet und auch immer wieder aufsuchen kann. Also sorge gut für dich, auch in der Entscheidung, ob du diesen Film sehen kannst oder lieber nicht.

Doch es ist so wichtig, dass die, die es können, hinschauen. Auch wenn es weh tut. Auch wenn es uns aus unserem schönen Leben für einen Weile herausreisst. Auch wenn es uns verändert zurücklässt. Und – das wäre mein Wunsch – unseren Blick und unser Handeln – für immer verändert.

https://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/videos/operation-zucker-jagdgesellschaft-video-100.html?fbclid=IwAR1M_w6rQZ5mH8yfYR8YLXKEue_AOgc5rj_TazIuLYHrFA7vXEBjQsAMnAA

 

 

13 Gedanken zu “Filmtipp: Operation Zucker Jagdgesellschaft

  1. Ich werd den Film nicht gucken. Aber es ist unheimlich wichtig und gut, dass du ihn geguckt hast und darauf hinweist. Irgendwer muss das tun, und ich kanns nicht.

    1. Ja – das kann ich gut verstehen. Ich habe ihn zum dritten mal geschaut. Der ist ja schon vor ein paar Jahren gelaufen. Fiel mir beim dritten Schauen noch schwerer als vorher. Viele Unterbrechungen, zwischendurch Ablenkung usw. Es ist gut, dass du weißt, wo deine Grenzen sind. Was mir wichtig ist: dass es bekannt wird. Dass Menschen aufmerksam werden.

      1. Super! Danke dir. Es ist so wichtig, dass sich das rumspricht und nicht als unwahr abgetan wird. Lügde hat ja sicherlich Einiges ins Bewusstsein gebracht – ich glaube nur, dass das kleine Fische waren, die Täter von Lügde. Das Ausmaß ist viel, viel schlimmer. LG!

  2. Danke für den Filmtipp! Werde ich mir bei Gelegenheit ansehen. Ein sehr wichtiges Thema. Habe den Beitrag fleißig geteilt, damit es möglichst vielen Menschen vor Augen geführt wird. Es gibt viel zu viele Unwissende, oder auch gewollt Unwissende. Denke, viele Menschen wollen es gar nicht wissen.

  3. Ich hatte den Film schon in der Mediathek der ARD entdeckt aber dann erst auf deinen Hinweis hin angeschaut. Das Anschauen ging nur mit Unterbrechungen. Es ist ein aufwühlendes und wichtiges Thema. Mir ist hinerher wieder eingefallen, dass der erste Tatort mit Till Schweiger (Willkommen in Hamburg) auch dieses Thema zum Inhalt hat. Gruss Hendrik

  4. Liebe Bettina, ich habe den Film nur portionenweise schauen können. Er ist bestürzend und kaum zu glauben. Man bekommt fast ein Gefühl von Unwirklichkeit, wenn man so etwas Ungeheuerliches sieht. In der Schweiz ist es wohl nicht besser. Es läuft alles so im Verborgenen ab, dass es fast unmöglich scheint, den Grausamkeiten Einhalt zu gebieten. Danke, dass Du uns darauf aufmerksam gemacht hast. Liebe Grüsse, Elisa

    1. Liebe Elisa, ja – der Fil ist wirklich gut gemacht. Er ist nicht nur Unterhaltung, sondern auch Aufklärung und Aufrüttelung. Und mir ging es auch nah – obwohl ich ihn schon zweimal vorher gesehen hatte. Inzwischen weiß ich aus unerer Arbeit im Rotlicht und mit Überlebenden wieder mehr – und konnte noch mehr andocken – aber es tat auch noch mehr weh… Menschlich gesehen ist bei Kindern in diesen Kreisen kein Herankommen. Das sagen zum. alle Experten und Fachleute. Ich möchte mich davon aber nicht bremsen lassen, denn wenn alle den Kopf in den Sand stecken, weil man eh nichts tun kann, dann wird auch nichts erreicht werden. Danke, dass du den Film geschut und dich diesem Thema ausgesetzt hast. ❤

      1. Liebe Bettina, ich bin froh, dass Du Dich dieses Themas annimmst. Es braucht bestimmt Zivilcourage und Durchstehvermögen. Doch auch im Kleinen geschehen grosse Dinge, wenn man den Mut hat, sie anzupacken.
        Viel Glück und Gottes Segen. Liebe Grüsse, Elisa

Schreibe eine Antwort zu rausausderaffenfalle Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s