Photos: © B. Peter

Ich gehöre ja nicht so zu den Supermüttern bzw. perfekten Hausfrauen, aber heute möchte ich einen superumweltfreundlichen und sparsamen Haushaltstipp weitergeben 🙂  – auch wenn das gar nicht so zum blog zu passen scheint. Ja, aber dieser Haushaltstipp begeistert mich – und das zurecht!

Im September war ich (wie fast jeden Tag des Jahres) mit dem Fritz-Hund unterwegs, und bemerkte, dass es Kastanienzeit war. Als Kind habe ich diese kleinen wunderbar rotbraun-glänzenden Dinger schon geliebt und immer ein paar in der Jackentasche gehabt. Doch wir alle (auch die Jungs) sind keine „normalen“ Bastelfreaks, und so habe ich recht wenig Verwendung für diese wunderbaren „Christianien“ (wie ein mir bekanntes Kind sie einmal liebevoll nannte). Während ich so über „Christianien“ nachsann, erinnerte ich mich an einen Artikel, in dem ich gelesen hatte, dass man aus Kastanien Waschmittel herstellen kann. Froh über eine Verwendungmöglichkeit für die heißgeliebten braunen Murmeln, sammelte ich gleich zwei Jackentaschen voll und machte mich gut gelaunt auf dem Heimweg, um zu recherchieren. Was soll ich sagen? Seit September wasche ich unsere Wäsche mit selbstgemachtem Kastanienwaschmittel, und ich bin so angetan davon, dass ich mein Wissen darüber gerne teile. Die Wäsche riecht wunderbar frisch und unaufdringlich (ich hasse Parfum und parfümiertes Zeugs, und wir fanden als Familie kein Waschmittel, was wir vom Geruch her ertragen konnten) und sie wird genauso sauber wie vorher auch. Ich bezahle kein Geld dafür und ich spüle keine Tenside und Chemikalien usw. mit dem Abwasser in die Umwelt…

Und wie geht das nun? So:

  1. Kastanien säubern und mit dem Nussknacker/Messer zerkleinern (je zerkleinerter, desto mehr Fläche: desto mehr können die in den Kastanien enthaltenen Saponine austreten).  Buntwäsche: 3-4 Kastanien mit Schale / weiße Wäsche: 3-4 Kastanien ohne Schale

     

  2. Die zerhackten Kastanien in ein sauberes Konservenglas legen, mit kochend heißem Wasser aufgießen und mit dem Schraubdeckel fest verschließen (Achtung: dafür Topflappen o.ä. nehmen – es wird schnell heiß). Ca. 6-8h (oder über Nacht) ziehen lassen. Dann ist das Waschmittel schon fertig…  IMG_20200110_125242Der Kastaniensud hält sich ca. 2 Tage lang. Im Kühlschrank evtl. etwas länger. Er riecht leicht nach der Flüssigkeit, die in Dosenerbsen ist (finde ich). Nach dem Waschen riecht es neutral-frisch-sauber 🙂 / Nach ca. 2 Tagen kippt der Sud um. Man riecht das dann auch – es riecht säuerlich unangenehm. Der Sud muss also immer relativ frisch zubereitet genutzt werden.
  3. Filtern: direkt vor dem Waschen gibt man das Ganze dann durch ein Sieb. Ich lege zusätzlich ein Küchenpapier in das Sieb, denn ich will mir die Schläuche meiner Waschmaschine nicht kaputt machen. Ohne Küchenpapier „schmiert“ der Sud etwas und es befinden sich kleine weiße Partikel aus dem Kastanieninneren, die klebrig sind, darin. Ich habe die Befürchtung, dass sie sich in den Schläuchen ablagern könnten –  also verwende ich lieber etwas mehr Zeit auf ein gründliches Filtern. Es geht schneller, wenn man ab und zu mit einem Teelöffel rührt, bzw über die Oberfläche des Küchenpapieres reibt. IMG_20200110_125017
  4. Verwenden 🙂 Viel Freude dabei!
  5.  Mit ätherischem Öl kann man den Duft des Waschmittels verfeinern und variieren. Ich benutze gerne Zitrone/Orange/Zitronengras (Drogeriemarkt, dort ist es billig). Man kann auch geriebene Zitronenschale verwenden – aber das ist natürlich auch kostenintensiv.  Ich gieße den Kastaniensud übrigens in die Maschine (das Waschmittelfach) während die Maschine läuft und dort spült. Das passiert in den ersten 3 Minuten – dann bin ich damit fertig. Das ätherische Öl tropfe ich (3-4 Tropfen) dann auch direkt dort hinein.
  6. Nicht wundern! Das Kastanienwaschmittel schäumt nur sehr gering. Die Wirkung ist aber genausogut. Normale Waschmittel enthalten jede Menge Aufschäumer, damit wir das Gefühl haben, dass sie super wirken (dasselbe gilt für Shampoo, Duschgel & Co…). Die Reinheit der Wäsche ist davon aber unabhängig.

Das ungelöste Problem bleibt (in meinem Falle) die Lagerung der Kastanien.  Ich habe meine Familie gezwungen mithilfe meiner Familie Unmengen von Kastanien gesammelt. Ich habe einige gewaschen und liebevoll mehrere Tage auf dem Fußboden auf Zeitungen zum Trocknen ausgelegt… viele davon sind verschimmelt. Andere habe ich auf meinem Hundgängen noch regennaß in Hundekottüten (natürlich ohne den unschönen Inhalt) nach Hause transportiert und achtlos in der Tüte liegenlassen – und siehe da: einige davon blieben wunderbar erhalten – andere aber gärten aus irgendeinem unerfindlichen Grund und verströmten einen undezenten Alkoholgeruch (gibt es eigentlich Kastanienschnaps?). Ich werde deshalb wohl nicht ganz bis zum nächsten Herbst mit meinem Kastanienwaschmittel waschen können… und das ist echt schade – denn zum normalen Waschmittel will ich nicht zurück. Ich habe gehört, dass Efeu auch Saponine enthält, und man daraus Waschmittel machen kann… aber es soll irgendwie unschön im Geruch sein. Ich schätze, ich werde das trotzdem mal ausprobieren. Erbsenwasserduft hätte ich mir jetzt auch nicht als ideal vorstellen können…

Natürlich kann man im Herbst die Kastanien zerkleinern und im Ofen antrocknen und so gut lagern. Eine große Keksdose voll von Kastaniengranulat habe ich mir erarbeitet. Aber mehr war zeitmäßig nicht drin… Ich wäre also eher auf eine artgerechte Lagerung der ganzen Kastanien angewiesen.

Kennt ihr andere Pflanzen, die man sammeln könnte, die Saponine enthalten? Habt ihr Ideen zur besseren Lagerung der Kastanien? Habt ihr aus überraschenden Gründen evtl. noch ein Fass Kastanien daheim und wohnt in meiner Nähe? 😉

Übrigens stelle ich seit September auch mein Duschgel und Shampoo aus Kastanien her. Dazu dann in einem anderen Beitrag mal mehr.

Nun viel Spaß beim Ausprobieren – es leben die Christianien!

 

 

 

 

20 Gedanken zu “Laundry for Future – Kastanien-Waschmittel selber machen

  1. Vielen Dank für diesen tollen Tip! Das werde ich sicherlich nächsten Herbst auch ausprobieren. Was die Lagerung angeht, würde ich versuchen, ob sie sich nicht vielleicht auch wie Nüsse lagern lassen. Ich habe dieses Jahr das erste mal größere Mengen Haselnüsse geerntet und diese, so wie mir eine Walnuss- erfahrene Nachbarin riet, kühl und luftig gelagert. Bei den Nüssen hat es gut geklappt: Ich habe sie in Gemüsenetzen ( also in kleineren Portionen) zunächst draußen und später auch in der kühlen. Speisekammer aufgehängt. Ansonsten würde ich versuchen, einen Teil wie das Eichhörnchen einzulagern, vielleicht an besten im Sand. ( Gemüse kann man ja auch gut in einer Miete lagern)

  2. Liebe Bettina, ich find die Stelle in Deinem Text mit dem (durchgestrichenen) „meine Familie gezwungen“ sooo witzig, ich habe sehr gelacht, Danke!! XD 🙂

    Wie wäre es denn mit einfrieren, meinst Du das wäre was? (ich frier‘ _alles_ ein! :))

    LG Farouk

    1. Moin Farouk 🙂 Hmmm… vielleicht geht es? Das Dumme ist: ich frier auch alles ein – da ist kein Platz mehr….. 😀 Aber einen Versuch wäre es wert. Ess kastanien soll man wohl in einem großen Behältnis mit kühlem Wasser lange lagern können. (Wasser muss aber gewechslt werden. Aber wer hat schon sowas? Der Trend geht wohl zur Zweitgefriertruhe und Zweitbadewanne. LG

  3. Bei uns in der Lebensgemeinschaft gibt es welche, die mit Waschnüssen ihre Wäsche waschen. Damit ich den Geruch dann wieder aus der Wäsche rausbekomme muss ich vom normalen Waschmittel mehr als sonst nehmen. Aber ich glaube mit ätherischen Ölen, wie du sie verwendest bekommt man ein gutes ökologisch und angehme duftendes Waschmittel hin. Den Entkalker für Waschmaschinen kann man auch selber machen.

    1. Waschnüsse sind neuerdings etwas umstritten. Ich kenne mich nicht wirklich damit aus, aber es geht wohl um die Abbaumethoden, die Arbeitsbedingungen und auch darum, dass man in Indien wegen der erhöhten Nachfrage nun vermehrt zu chemischen Waschmitteln greift, da die Waschnüsse aufgrund der Nachfrage im Preis gestiegen sind… also irgendwie nicht so ganz so sinnvol im Großen und Ganzen gesehen, wenn das stimmt… Kastanien haben gar keinen Geruch. Die Wäsche ohne ätherischen Zusatz riecht einfach neutral frisch – das ist ja das Abgefahrenen. Ich schaffe es allerdings nicht immer, die Wäsche sofort aufzuhängen, wenn sie fertig ist, von daher hilft das mit den ätherischen Düften schon – und das sind zum. Gerüche, die ich mag, im Gegensatz zu den Düften in gekauften Waschmitteln. Es gibt auch Kastanienwaschmittel zu kaufen – aber das ist echt teuer… und man weiß dann wieder nicht, was da zugesetzt ist, denn haltbar ist es ja von Natur aus nicht – also müssen irgendwelche Konservierungsstoffe hinein… Wie macht man denn Entkalker selber? Nimmst du Essig, oder was anderes?

      1. Hauptbestandteil ist Natron und Zitronensäure als Pulver. Das wird verrührt mit Flüssigkeit und im Ofen zu Tabletten gebacken. Das wäre dann ein Entkalker für Toilettenspülkästen. Weil wir vor Ort ein großes Problem mit kalkhaltigem Wasser haben war ich mal auf der Suche nach Lösungen. Aber für 5 Häuser alternative Reinigungsmittel herzustellen war mir dann doch zuviel.

  4. Super, das wollte ich auch schon selber machen und konnte mich noch nicht entscheiden, welche Methode ich ausprobiere.
    Die Kastanien lagern wir in einem Weidenkorb – luftig von allen Seiten, das klappt immer gut. (Ich kann’s auch nicht lassen, welche zu sammeln, wenn sie mir ins Auge strahlen.)
    Auf das Duschzeug und Schampoorezept bin ich gespannt. 😊

  5. Hallo Bettina!
    Ja, mit Efeu geht das auch, allerdings reagieren da manche Leute allergisch (Efeu ist giftig).
    Ansonsten kann ich noch Birkenblätter empfehlen, und damit die nicht alle durch den Abfluss verschwinden, zb in so nen BH-Schutzbeutel oder einen Gemüsebeutel füllen oder ne Socke und zuknoten.
    Die Methode, den Kastaniensud während der Waschmaschinen“fahrt“ einzufüllen kommt bei mir allerdings nicht in Betracht, da ich nen Toploader habe, und den kann ich im laufenden Programm nicht öffnen.

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