Wie kann man dankbar sein, auch in schlechten Zeiten? Ist das nicht weltfremd? Macht man sich da nicht selbst etwas vor? In meinem ersten Artikel ‚Dankbar in Zeiten von Corona #1‘wurde ein fast paradox anmutender Fakt deutlich: Dankbarkeit macht zu allererst und selbst zufrieden und glücklich – und wirkt sich sogar positiv auf die seelische und körperliche Gesundheit aus. Was für ein guter Grund, sich in Dankbarkeit zu üben. Denn üben muss man sich, zumindest, wenn es um eine dankbare Haltung geht. Also um einen fortwährenden Zustand, in welchem wir ein Grundgefühl von Dankbarkeit immer wieder empfinden und immer wieder neu beleben. Wer ca. 4-6 Wochen lang eine neue Gewohnheit einübt, dem geht sie dann in Fleisch und Blut über. So ist es auch mit der Dankbarkeit – sie ist ein Selbstläufer… wenn wir uns erst einmal dazu entschieden haben und sie bewusst eingeübt haben.

Paulus schreibt die folgenden Zeilen, während er im Gefängnis ist. In der damaligen Zeit waren Gefängnisse noch viel unwirtlicher, als sie es heute sind. Man war mit vielen Gefangenen in einem Raum eingepfercht. Darunter kranke Gefangene, und auch gewalttätige Menschen. Es gab Hunger und Kälte. Trotzdem ist Paulus nicht verzweifelt. In seinem Brief an eine christliche Gemeinde in Philippi ermutigt er die Menschen dort zu Freude und Dankbarkeit:

Freut euch zu jeder Zeit, dass ihr zum Herrn gehört. Und noch einmal will ich es sagen: Freut euch! Alle Menschen sollen eure Güte und Freundlichkeit erfahren. Der Herr kommt bald! Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft in jeder Lage zu Gott beten. Sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm! Dann wird Gottes Friede, der all unser Verstehen übersteigt, eure Herzen und Gedanken bewahren, weil ihr mit Jesus Christus verbunden seid. Philipper 4, 5-7

Paulus verrät hier sein Rezept für einen inneren Frieden auch in stürmischen Zeiten: Freue dich. Schaue auf das Gute in deinem Leben. Freue dich daran und sei dankbar dafür. Dann hast du Kraft, auch zu anderen Menschen gütig und freundlich zu sein. Paulus negiert dabei aber auch nicht, dass es schlechte und schwierige Situationen in unserem Leben gibt. Dass es menschlich ist, sich zu sorgen und auch Ängste zu haben. Er verrät ein Geheimnis, wie damit umzugehen ist: Sage (und klage) alle deine Sorgen dem Vater im Himmel – so wie ein Kind, dass seinem Vater sein Leid oder seinen Mangel klagt. Und danke ihm für das, was er dir zeigen und schenken wird, auch wenn du es noch nicht sehen kannst und hast. Und danke für das, was du hast.

Ich übe mich darin. Und ich merke, dass dieser Friede, von dem Paulus hier schreibt, keine fromme Illusion ist. Er ist ein Geschenk, das ich empfange, wenn ich so vertrauensvoll zum Vater komme, und ihm alles in die Hände lege, was mich belastet.Ich komme weg von Unzufriedenheit und Neid, von Härte und Bitterkeit. Es ziehen Frieden und Dankbarkeit in mein Herz. Und auch Freude ist dann da. Eine Freude, die nicht unbedingt einen Anlass haben muss. Nun ist es aber nicht so, dass ich immer voll friedlich, dankbar und frohlockend durch das Leben laufe. Immer wieder gibt es Schwierigkeiten und Ängste und Sorgen. Manchmal auch Wut und Hass. Und manchmal stecke ich darin auch fest. Dann muss ich mir selber einen Schubs geben. Mich entscheiden. Und wenn ich das nicht mehr schaffe, dann kann ich um Hilfe rufen: „Vater, mein Herz ist voller Angst und Bitterkeit. Zieh mich da heraus.“ Und dann lass ich mich ziehen oder renne selber zum Vater, lege ab, was mich unglücklich macht, und lasse mir schenken, was mir diesen Frieden gibt.

Ich lade dich ein, mit mir zusammen dankbar zu sein. Schreibe das, wofür du in dieser Woche dankbar bist, gerne in die Kommentare. Oder verlinke einen eigenen Blogbeitrag.

Ich lege solange schon mal los:

Ich bin dankbar für die ersten wunderbaren Frühlingsboten. Vor unserem Haus und im Wald wird es bunt und schön. Und auf einem Spaziergang bekam ich gleich ein Blümchen geschenkt.

 

Ich bin dankbar für das Internet… Wie gut, dass es tolle Lernplattformen gibt. Wie gut, dass die Gemeinde durch die technischen Möglichkeiten in diesen Zeitenverbunden bleiben kann. Wir gut, dass es online Angebote für Kinder und Erwachsene gibt.

Ich bin dankbar, dass wir Hilfe bekamen durch S., der vor zwei Jahren aus dem Iran zu uns gekommen ist. Ohne sein know-how hätten wir das alles nicht auf die Reihe bekommen mit der online Predigt. Es war ganz schön viel Arbeit. Mit allem drum und dran hat der Ehemann bestimmt alleine 40h investiert. Wäre S. nicht dagwesen, um alles einzurichten, und nachher alles zurechtzuschneiden, wären es noch viel mehr geworden. Danke für die Hilfe!

Ich bin dankbar für die Zeit, die wir als Familie miteinander verbringen konnten. Es war schon Vieles sehr herausfordernd in der letzten Woche. Aber wir hatten immer wieder schöne Zeiten miteinander, so wie hier bei Kuchen und Brettspiel, oder bei einem Fernsehabend mit den Schti’s.

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Ich bin dankbar, dass es so sonnig und trocken war in der letzten Woche. Dass ich das erste mal wieder Wäsche im Freien (und nicht in der Wohnung…) trocknen konnte. Ich bin der Meinung, dass der Pegelstand der neu entstandene Teiche und Tümpel und ungeplant entstandenen „Mutter-Kind-Planschbecken“ (wenn es nicht zu kalt wäre, wäre das der Hit gewesen), schon sehr gesunken ist. (Vergleiche mit dem gleichen Motiv aus dem ersten Artikel können vorgenommen werden.)

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Ich bin dankbar für unseren Hund Fritz. Er ist einfach wunderbar. Er ist auch komplett testosteron- und nasengesteuert, und etwas hyperaktiv… aber auch hochgradig süß. Er hat schon mindestens zwei Einbrüche verhindert. Und durch ihn kommen wir alle an die Luft und in Bewegung.

Ich bin dankbar dafür, dass ich immer noch Kastanien finde. Und immer noch kein normales Waschmittel kaufen musste. Die meisten Kastanien, die man im Freien findet, keimen schon. Aber zwei Drittel der keimenden Murmeln sind noch völlig in Ordnung und ergeben ein wunderbar duftneutrales Waschmittel. Ich bin sehr gespannt, wie lange ich noch auf diese umweltfreundliche und sparsame Art waschen kann.

Ich bin sehr dankbar, in so einer schönen Umgebung zu leben. So schnell am Hafen, im Grünen und am Strand sein zu können, ist schon ein echtes Privileg. Flensburg ist die zehnte Stadt, in der ich bisher für längere Zeit wohnen durfte. Und ich hoffe, wir bleiben noch ein Weilchen hier oben im hohen Norden.

 

Wofür bist du in dieser Woche dankbar?

(Alle Photos: ©Bettina Peter)

 

 

 

 

17 Gedanken zu “Dankbar in Zeiten von Corona #2

  1. Ich bin dankbar für mein Leben, für meine Nachbarn und Freunde die mir besorgen, was ich brauche, für meinen Körper der durch fasten gesundet, für meinen Sohn, meine Schwestern, meine Nichten und Neffen und für meine Freundinnen.
    Dankbar bin ich weil ich in Gott geborgen bi und geführt werde. Immer wenn die Angst kommt, kann ich sie ihm übergeben und sie vergeht. Einen lieben Gruß nach Flensburg!

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      1. Danke, nein ich faste nicht mehr, gestern habe ich das Fasten gebrochen,heute ist der zweite Tag es geht mir sehr gut. Zurzeit bmacht hir mein Festnetzanschluss Probleme. Mein Handy ist seit Freitag kaputt. Die letzten Tage haben mich sehr gefordert. Ich finde meine Ruhe immer wieder. Dank der Nachfrage. Liebe Grüße

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  2. Liebe Bettina, allgemein habe ich mich etwas verspätet ja schon zu deinem tollen Beitrag >Dankbarkeit in Zeiten von Corona#1Dankbarkeit in Zeiten von Corona#2FensterlnIsolations-Frust-TagHeulsuseprompte BedienungHeizungsmensch< und habe grundsätzlich kaum 20°C in der Wohnung, lieber ziehe ich mich auch drinnen eher wärmer an :-). So, bevor ich beibleibe und statt eines Beitrags ein ganzes Buch schreibe, höre ich jetzt auf, indem ich eine segensreiche Zeit wünsche und ganz innig-herzliche Grüße sende. Marlies

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  3. Ja, was Strand betrifft, hat das Bergische Land deutliche Defizite.
    Ich will allerdings auch nicht auf das Abschmelzen des polaren Eises hoffen, was ja den Meeresspiegel um ungefähr 65 Meter ansteigen lassen würde (Berechnungen zufolge), denn auch dann wäre Lennep noch 300 Höhenmeter vom Strand entfernt.
    … wobei … man könnte dann die Tagebaulöcher hinter Köln einfach volllaufen lassen. Das wäre der Vorteil dran. Tief genug liegen sie. (Man muss sich das bildlich vorstellen, sonst begreift man es nicht: das tiefste Loch ist so tief unter NN wie wir hier drüber sind. Man könnte das gesamte Bergische Land drin verfüllen.)
    Ha, da bin ich jedenfalls schon mal dankbar für: dass keiner auf diese Idee kommt. Hügel bleibt Hügel rechts des Rheins, und Loch bleibt Loch links des Rheins.

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  4. Ich bin dankbar für die Gesundheit meiner Liebsten und meiner eigenen, den Frühling, das Vogelzwitschern, die Ruhe am Samstagmorgen in Zeiten von Corona, für den gefüllten Kühlschrank, warmes Wasser, Heizung, ach, es gibt so unendlich viel 🙂 Liebe Grüße und bleib gesund, Annette

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