Mist, es regnet!   —   Wie schön, dass es regnet. Die Blumen vor der Haustür können es gut gebrauchen (und ich muss nicht gießen 😉 ).

Die Jungs streiten sich, wie nervig!   —   Die Jungs machen ihr Sache supergut. Sie spielen wieder mehr zusammen und finden Aktivitäten, die sie beide gerne machen.

Wegen der schulfreien Zeit und der Enge der Wohnung habe ich keinen Rückzugsort mehr – das macht mich ganz nervös.   —   Wir rücken alle wieder enger zusammen. Wir kuscheln öfter und reden intensiver, auch über ganz wichtige und tiefe Themen.

Manchmal braucht es einfach einen Perspekttivwechsel, damit sich Ärger und genervt sein in Freude und Dankbarkeit verwandeln können.

Sicher haben wir alle schon den einen oder anderen Anflug von „Corona-Koller“ durchlebt. Das bleibt wahrscheinlich in kaum einer Familie, bei kaum einem Pärchen und bei kaum einer/m Single aus. Die Umstände sind schon speziell. Mein Jüngster – unser social Wesen in der Familie, trägt ganz schwer daran, seine vielen, vielen Freunde und Freundinnen nicht wie sonst in der Schule und fast täglich am Nachmittag treffen zu können. Ohne Sozialkontakt geht er so schnell ein wie eine Primel. Umso mehr familiäre und mütterliche Zuwendung ist nun gefragt – sogar nachts kommt er wieder zu uns – und die Gästematratze  lagert nun wieder dauerhaft im elterlichen Schlafzimmer und manche schlaflose Stunde halte ich ihn in meinem Bett im Arm, weil auch die Matratze zu weit weg ist. Er sucht sonst auch noch viel unsere Nähe – aber jetzt umso mehr. Trotz manch sehr kurzer Nacht ist das auch ein wunderbarer Segen: die Nähe tut ihm gut. Wir reden viel. Und wir beten und singen gemeinsam – sein und mein Herz strecken sich aus nach Jesus, der unser Friede ist. Dafür bin ich dankbar.

Anders als gedacht, komme ich zu weniger als sonst. Verwundert reibe ich mir die Augen, wenn ich lese, dass andere nun endlich ihre Schränke und den Keller entrümpeln. Mit meinen zwei Jungs, die beide Legasthenie haben, sitze ich viel über den Hausaufgaben. Besonders mit dem Jüngsten, der wirklich stark betroffen ist. Die letzten drei Schulwochen vor der Coronazwangsschulpause war er krank. Und jetzt auch immer mal wieder. Der ganze Stoff holt sich nicht so schnell auf mit einem müden Körper und Kopf. Und ich sitze daneben, manchmal wie auf heißen Kohlen, weil noch so viel geschafft werden muss – und ich ja auch noch diese Sachen machen wollte, die mir selber gut tun… Dann versuche ich den Schalter umzudrehen… die Perspektive zu wechseln und zu sagen: wie gut, dass ich so viel Zeit in meinen Sohn investieren kann. Wie gut, dass ich noch besser verstehe, wo es hakt, und welche Sachen geübt werden müssen. Wie gut, dass ich mich darin üben kann, eine geduldige, liebevolle Mutter zu sein. Wie schön, dass wir nach einer geschafften Aufgabe kurz kuscheln können, „high five“ machen können“, ein Belohnungsnaschi teilen können… Wie schön, dass ich die Zeit dazu habe.

Oh ja… diese Zeit ist nicht nur schön. Sie ist schwer, macht unsicher im Blick auf die Zukunft und erfordert neue Gewohnheiten und Umdenken. Das lässt sich nicht leugnen. (Ganz zu schweigen von denen, die von Krankheit und Tod persönlich betroffen sind.) Doch ich kann mich entscheiden. Ich darf die Perspektive wechseln, muss nicht im Negativen verharren, sondern kann nach dem Guten in dem Schweren schauen. Neue Gewohnheiten und das Umdenken erweitern meinen Horizont und ich lerne dazu. Ich will dankbar sein für das Gute in dieser Situation. Ich will mein Herz öffnen für Frieden und Freude, die in mir wachsen, wenn ich mich in der Dankbarkeit übe.

Dankt Gott in jeder Lage! Das ist es, was er von euch will und was er euch durch Jesus Christus möglich gemacht hat. 1. Thessalonicher 5,18

Ich lade dich ein, mit mir zusammen dankbar zu sein. Schreibe das, wofür du in dieser Woche dankbar bist, gerne in die Kommentare. Oder verlinke einen eigenen Blogbeitrag.

Ich lege solange schon mal los:

Ich bin dankbar für diese zauberhafte Jahreszeit. Im April geboren, fühlte ich mich auch als Kind schon immer lebendiger, sobald die ersten Blättchen und Blüten hervorkamen. Wie schön sind die Frühlingsfarben und das zarte Grün.

 

Ich bin dankbar für die schönen Zeiten mit der Familie. Die Mahlzeiten, das gemeinsame Spielen und die Spaziergänge. Für den Filmabend mit dem hervorragenden Film „Sich die Schuhe zu binden“ – und unser Lachen dabei.

 

Ich bin dankbar für Skype und Telefon. Für ein face to face Gespräch mit meiner besten Freundin, die in Wuppertal lebt. Für ein Coaching-Gespräch, auf das ich lange gewartet habe, und für das ich aufgrund von Corona nun nicht nach HH hätte fahren können. Wie gut, dass es diese wunderbaren Möglichkeiten gibt.

Ich bin dankbar für das gute Wetter. Es gab so viele sonnige Tage und Stunden. Und wie man sieht ist der Pool im Park nun auch kein Pool mehr 😉

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Ich bin dankbar, dass wir versorgt wurden. Schon nach der ersten Woche im März waren wir blank. Da nicht viel los ist, brauchen wir im Moment auch nicht viel. Doch ein bisschen frisches Obst und Gemüse, ein bisschen Joghurt und Käse und Brot – das ist schon gut. Und eine höhere Arztrechnung, die die KK nicht zahlt, stand aus. Zwei Tage lang lebten wir in Ungewissheit – und dann bekamen wir ein unerwartetes Geldgeschenk, dass uns eine liebe Person (aus eigener Dankbarkeit) beschert hat, ohne zu wissen, dass es für uns so ein Segen war. Und so haben wir zwar gezählt und gespart – aber gefehlt hat es uns an nichts. Danke, du Liebe!

Ich bin dankbar für meine Stadt. Für den Hafen, der mit einem kürzeren Hundegang einmal gestreift werden kann. Für das schöne Seemannsviertel und die Kreativität der Bewohner dort.

 

Ich bin dankbar, dass ich in Allem, in Sorgen und Mangel, in Überforderung und Ärger, in Unsicherheit und trüben Gedanken zu Jesus kommen darf, und ihm all das überreichen kann – und er mir im Austausch Hände und Herz füllt mit Gutem.

Wofür bist du in dieser Woche dankbar?

Alle Photos: ©B.Peter

16 Gedanken zu “Dankbar in Zeiten von Corona #3

  1. Danke für diesen ehrlichen, liebevollen, sensiblen Beitrag. Schön, dass du die Zeit dafür gefunden hast in der Situation, die dich und deine Familie besonders fordert. Du machst das gut, das ist mein Eindruck aus der Distanz. Es ist schön, dich zu lesen.
    Ich bin dankbar für meine Familie, unsere Gesundheit, Menschen, mit denen ich verbunden bin und Gottes Treue, die auch in dieser Zeit neu ist jeden Morgen. 🙂

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  2. Ach ja, ich bin dankbar für viel Musik, die ich jetzt hören kann. Dankbar bin ich für meine Bücher, die ich in Ruhe lesen kann und für die Gartenkolonie, gleich um die Ecke. Allmählich kann ich auch wieder besser atmen und ich merke wie ich Lebensfreude zurückgewinne. Danke, Danke , Danke.

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