Dankbarkeit ist ein Beziehungsgeschehen. Wenn ich dankbar bin, drücke ich aus, dass es etwas Gutes gibt, das von außerhalb meiner selbst kommt. Ich sehe weg von mir selbst (und ich bin der Meinung, dass schon das alleine oft gut tut und glücklich macht) auf das, was durch andere an Segen in mein Leben kommt, was die Natur mir gibt, was Gott mir schenkt. Manchmal bin ich dankbar für etwas, das nicht einmal mit mir zu tun hat. Für ein Glück, welches eine andere Person erlebt, die mir davon erzählt. Und ihr Beschenktsein macht auch mich glücklich.

Dankbarkeit hat nicht immer etwas mit Besitz oder einem glücklichen Leben zu tun. Ich kann dankbar sein, auch wenn ich wenig habe. Und ich kann dankbar sein, auch wenn ich leide – zum Beispiel, weil jemand da ist, der mit mir fühlt oder für mich betet. 

In diesen Tagen können wir besonders dankbar darauf schauen, dass wir Menschen um uns haben. Beziehungen haben. Miteinander reden und teilen können. Auch wenn wir es gerade mit Einsamkeit und Isolation zu tun haben, lernen wir es umso mehr zu schätzen, welcher Reichtum durch Beziehungen und Gemeinschaft in unser Herz kommt.

In dieser Serie fordere ich dich auf: wofür bist du in dieser Woche dankbar? Lass uns teilen, was uns froh macht. Du kannst unten kommentieren oder auch einen eigenen Beitrag zum Thema Dankbarkeit schreiben und ihn gerne in den Kommentaren verlinken. Ich lege solange schon mal los:

Ich bin dankbar für 48 Lebensjahre. Es ist anzunehmen, dass ich mich ungefähr in meiner Lebensmitte bewege – und so kann ich auch schon sagen: ich habe Einiges erlebt in meinem Leben. Auch einiges, was leidvoll und schmerzhaft war. Und so viel Gutes. Ich entdecke in meinem Leben immer mehr einen roten Faden, der durch mein Leben verläuft. Einen Faden, der auch leidvolle Erfahrungen sinnvoll macht. Der mich immer mehr entdecken lässt, dass Gott einen guten Plan für mein Leben hat. Manchmal denke ich: das hätte auch ganz anders (ganz schlimm) ausgehen können. Und ich bin angefüllt mit Dank für alle guten Wendungen, für all die Hilfe und Heilung, die Gott mir geschenkt hat. Und für all das Gute, das durch Menschen in mein Leben kam. Diese Woche haben wir gefeiert – neben homeschooling und trotz Corona-Umständen. Da der Ehemann Angst vor dem Ergebnis seines Backens hat, gab es Tortenstücke aus dem Café mit den 1000 Kaffeekannen in Flensburg. Luxus pur. Und Luxus auch, dass wir lieben Besuch hatten, mit Sicherheitsabstand natürlich. Geteilter Genuss war der höhere Genuss 🙂  (Ach ja – und an dieser Stelle darf nicht vergessen werden, dass der backphobische Ehemann ein ganz wunderbares Geburtstagsessen gekocht hat  – das kann er nämlich perfekt!)

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Am Dienstag hatte ich zum ersten mal seit 6 Wochen „frei“. Die Umstellung auf die Gegebenheiten der Krise und das technische Knowhow hatte dafür gesorgt, dass der Ehemann keinen freien Tag mehr hatte, und ich infolge auch keinen „kinderlosen“ Tag. Nun pendelt es sich ein bisschen ein und ich konnte einen Tag für mich gestalten. Dafür bin ich dankbar. Gleich zu Beginn habe ich mir einen ausgiebigen Gang mit dem Hund gegönnt. Es war recht frisch…aber wunderschön. Ach… und ich bin dankbar für den wunderbaren Gefährten mit den Wuschelhhaaren – und auch dafür, dass ich ein Wälzen in etwas Undefinierbarem (intensiver Geruch inklusive)  gerade nochabwenden konnte. 😀 Aber das nur nebenbei…

 

 

Ich bin dankbar für eine Woche voller guter Begegnungen. Was ja in diesen Tagen außergewöhnlich ist. Für einen Strandgottesdienst mit zwei befreundeten Familien – und dem dazu gehörigen Sicherheitsabstand, was am Strand gut ging. Es hat uns allen gut getan – besonders unserem Jüngsten, der den ganzen restlichen Tag über gesungen hat – so wie immer, wenn er glücklich ist. Ich bin dankbar für den Besuch der zwei lieben (fast zur Familie gehörenden) Freunde an meinem Geburtstag. Ich bin dankbar für ein Picknick mit meiner lieben Freundin. Es war ein Geburtstagsgeschenk für sie – und wurde endlich eingelöst – natürlich mit Sicherheitsabstand. Und ja: ich bin dankbar, dass wir in SH draußen zu zweit spazieren gehen dürfen. Meine Freundin ist Single – was wäre es schlimm, wenn so etwas nicht möglich wäre… und außerdem sind Gespräch unter guten Freundinnen doch lebensnotwendig, oder? Ich bin dankbar für dich, liebe Freundin. IMG_20200424_164233

Ich bin dankbar für den Frühling und seine Farben – wie immer. Und jede Woche verändert sich wieder so viel. Wir sind ja spät dran mit Frühling und Blütenpracht in SH. Aber jetzt! Und das alles in Verbindung mit dem Meer und dem Himmel, der das Meer spiegelt…

Ich merke immer mehr, wie gut es mir tut, den Tag mit Jesus zu verbringen. Wie gut es ist, neben all den vielen und mitunter auch verwirrenden Informationen, frische, lebensspendende, wahre und gute Infos aus dem Himmel zu bekommen. Im „jetzt und hier“ zu sein mit Gott, und zu vertrauen, dass er mich führt und leitet. Dass er mich versorgt mit Allem, was ich brauche. Ich von ihm die Infos bekomme, die für mich gerade wichtig sind. Und vor allem: dass ich dort eine Gemeinschaft erlebe, die mich wirklich satt macht. Dafür bin ich so sehr dankbar!

Ich bin dankbar für meinen großen Sohn. Der Sohn, der auch als Säugling nur von Mitternacht bis 7 Uhr morgens schlief – und das mit 3-4 Stillpausen. Der schrie, sobald ich ihn nicht auf dem Arm trug. Der mit 1,5 Jahren die kaputten Birnen in den Lampen wechselte (ohne davon zu berichten) und mit 3 Jahren alles über den Tod wissen wollte. Der sich mit 7 entschied Vegetarier zu werden und es bis jetzt strikt lebt, obwohl er Hühnchen köstlich findet. Nun ist er ein Teenager. Wir machen Mutter-Sohn-Filmabende mit Pizza und Eis, und das Tolle ist, dass ich die Filme aussuchen darf. Wir gehen gerne zusammen spazieren und ich höre alles über naturwissenschaftliche Themen. Mein Bio-Leistungskurswissen reicht mitnichten an diese speziellen Themen heran. Und ohne den Sohn hätte mich das alles nie interessiert. Und wir reden über gesellschaftswissenschaftliche Themen und über Geschichte (da kann ich dann auch mithalten). Und über den Glauben, und das, was wir mit Gott erleben und von ihm hören. Und Kampfsportkunst und Muskelaufbau. Es wird nicht langweilig…

Ich bin dankbar für meine Familie. Und auch für das „sich reiben“ beim homeschooling, und dass wir es alles irgendwie gemeinsam schaffen. Für einen Filmabend mit den Schti’s. die diesmal in Paris waren. Und Stunden, in denen wir daraufhin miteinander die S und Sch Laute vertauschen und viel lachen. Für das albern sein. Für gemeinsame Mahlzeiten und Gartenarbeit und Spiele. IMG_20200425_161601

Ich bin dankbar, dass Gott ein Gott der Gemeinschaft ist. Dass er, auch wenn wir es nicht verstehen können, in sich Gemeinschaft ist, und mit uns Gemeinschaft haben will. Dass die Gemeinschaft mit uns ihm so wichtig ist, und seine Liebe zu uns so groß ist, dass er „einer von uns“ wird, uns als „einer von uns“ stirbt. Und dass er auferstanden ist und lebt – als einer, der größer ist, als wir selbst. Der das Leben und die Liebe selbst ist – und uns da mit hinein nimmt. 

Wofür bist du in dieser Woche dankbar?

10 Gedanken zu “Dankbarkeit in Zeiten von Corona #6

  1. Ich bin dankbar in dieser Zeit für dankbare Menschen wie Dich, die ihre Dankbarkeit auch noch so leidenschaftlich, froh und überzeugend vermitteln und dadurch andere zu Dankbarkeit animieren können 😊

    Und ich bin dankbar, dass ich von früh an von dankbaren Menschen geprägt wurde und dass ich durch sie in der Spiritualität des Ignatius von Loyola eine Form des Glaubens gefunden habe, welche die Dankbarkeit ins Zentrum des Betens stellt.

    Und ich bin dankbar, dass Gott mich damals mit 30 Jahren in die Stille geführt hat, um mir vorzuschlagen, selber Diener der Dankbarkeit zu werden und – wie es Etty Hillesum einmal so schön formuliert – mitzuhelfen, Gott in den gequälten Herzen der Menschen auferstehen zu lassen.

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  2. „Dankbarkeit hat nicht immer etwas mit Besitz oder einem glücklichen Leben zu tun.“
    Ich möchte sogar soweit gehen, dass es gar nichts miteinander zu tun hat. Genauso wie Geiz/Großzügigkeit nichts damit zu tun hat, wie gerne wir geben und schenken, usw.
    Dankbarkeit ist eine Übungssache, aber immer eine Herzenshaltung.

    Deine Familie würd ich auch gern mal treffen 🙂 für alles vom leckeren Mahl bis zur Bio-Diskussion

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    1. Das ist wahr. Das Herz spielt die größte Rolle. Und ich bin dankber 😉 dass es eingeübt werden kann, eine dankbare Haltung zu haben. Und unser Herz das Potential hat, sich zu verändern.

      Ja – das wäre schön 🙂 Sei herzlich eingeladen – wann auch immer Corona Geschichte ist.

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  3. Ich habe mir angewöhnt, abends vor dem Schlafen ein Dankbarkeitsbuch zu führen. Ich schreibe immer ein paar Punkte auf, wofür ich den Tag dankbar bin. Dafür liegt extra ein Buch und ein Füller auf dem Nachttisch. Morgens schreibe ich als erstes alles auf, was mir durch den Kopf geht. Schon interessant, was da alles zusammen kommt.

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