Sehnst du dich auch gerade nach Gemeinschaft mit anderen Menschen? Ich sehne mich nach tiefen Gesprächen, bei denen man dem Anderen in die Augen schauen und seine Mimik und Stimmung sichtbar wahrnehmen kann. Wie schön sind doch kleine Lachfältchen… Ich sehne mich nach gemeinsamen Mahlzeiten. Nach befreitem Lachen und Witzen und Späßen. Nach gemeinsamem Singen und Beten. Nach einer Atmosphäre, die entsteht, wenn wir zusammen sind und Gott mitten unter uns ist.

Dabei bin ich ganz und gar kein Mensch, der immer Gemeinschaft braucht. Ich kann es gut alleine mit meiner Familie aushalten. Ich kann sogar sehr gut mit mir ganz alleine auskommen – manchmal brauche ich das auch, um zur Ruhe zu kommen oder wieder ganz bei mir selbst zu sein. Trotzdem sehne ich mich jetzt in diesen Tagen nach alledem, was ich oben beschrieben habe. Und ich merke deutlich, wie gut es ist, wenn wir Menschen Gemeinschaft haben.  Auch, wenn es jetzt nicht möglich ist, bin ich voller Dankbarkeit für die Gemeinschaft, die ich erleben durfte. Für Menschen, mit denen ich (normalerweise) tiefe und herzliche Gespräche führen kann. Für die Gemeinschaft, wenn wir zusammen beten und Gott loben. Für die Gemeinschaft beim Essen und das gemeinsame Lachen.

Paulus sitzt im Gefängnis, als er folgende Verse schreibt: „Jedes Mal, wenn ich an euch denke, danke ich meinem Gott für euch alle.
Ja, ich bete ständig für euch, und ich tue es mit großer Freude,
weil ihr euch, seit ihr an Christus glaubt, für das Evangelium eingesetzt habt – vom ersten Tag an bis heute.
Ich bin überzeugt, dass der, der etwas so Gutes in eurem Leben angefangen hat, dieses Werk auch weiterführen und bis zu jenem großen Tag zum Abschluss bringen wird, an dem Jesus Christus wiederkommt.“ Philipper 1, 3-6

Jedes Mal, wenn Paulus an seine Leute in der Gemeinde Philippi denkt, dankt er Gott für sie, und er freut sich dabei. Er denkt an seine Geschichte mit ihnen (die ist spannend – und nachzulesen in Apostelgeschichte 16, 6-40) und freut sich über die Erlebnisse mit ihnen und ihre Entwicklung. In seinem Brief an sie wird auch an einigen Stellen deutlich, dass die Menschen dort ganz normale Menschen sind. Dass sie Fehler machen, sich streiten, und manchmal einfach auf dem falschen Dampfer sind. Doch das steht hier nicht im Vordergrund. Paulus ist sich sicher, dass Gott trotz mancher Fehler und Fehlentwicklungen mit den Philippern an ein gutes Ziel kommen wird. Paulus ist isoliert – und dennoch dankbar für die Menschen, die Gott in sein Leben gestellt hat, und er betet für sie und dann erfüllt ihn – mitten in dieser miesen Situation, in der er sich befindet –  Freude. In dieser Serie konzentriere ich mich auf das, was mich dankbar macht. Und ich fordere dich auf mitzumachen: du kannst deine Dankbarkeit gerne in den Kommentaren äußern, oder einen eigenen Beitrag schreiben und ihn hier verlinken.Wofür – und: für welche Menschen – bist du in dieser Woche dankbar? Ich lege derweil schon einmal los 🙂

Ich bin dankbar für meinen Ehemann. In diesem Jahr werden wir denkwürdige Daten haben. Vor 30 Jahren haben wir beschlossen, dass wir zusammen gehören. Vor 28 Jahren haben wir uns verlobt und nun feiern wir doch tatsächlich in diesem Sommer Silberhochzeit. Ich fühle mich akut sehr alt, wenn ich das hier schreibe – aber auch sehr glücklich und dankbar. Für den (fast immer) gleichen schrägen Humor, das gegenseitige Verstehen, oft auch ohne Worte. Das gemeinsame Ringen mit vielen Worten, wenn wir mal was nicht verstehen. Ich bin dankbar, dass wir an einem Strang ziehen und gemeinsame Ziele haben. Dafür, dass wir uns zoffen können (und ich dabei auch mal temperamentvoll werden darf :-p ) und uns dann gegenseitig vergeben und versöhnen. Dass ich bei dir so sein darf, wie ich bin, und du mich immer noch und immer wieder liebst und toll findest und… ach – ich könnte noch so viel schreiben … aber das nicht an dieser Stelle 😉

linkes Bild: © U.Peter / unscharf, weil abfotografiert – ansonsten ziemlich scharf)

Ich bin dankbar für die beiden Söhne. Da habe ich in letzten Dankbarkeitsbeiträgen schon einiges dazu geschrieben. Diese Woche war ich sehr dankbar speziell dafür, dass sie trotz drei Jahren Altersunterschied immer wieder schaffen, sich zusammenzuraufen und etwas finden, was sie zusammen machen können. Nicht ganz einfach in der Alterskonstellation und großen Unterschieden in der Wesensart. Klappt nicht immer – aber immer wieder. 🙂

IMG_20200430_192850

Ich bin dankbar für die Herzensfreundin. Sehr. Tief. Dankbar. Auch bei dir darf ich so sein, wie ich bin. Du trägst mich und meine Höhen und Tiefen durch Verständnis, Zuhören und Gebete. Niemals steht unser gegenseitiges Vertrauen und unsere Freundschaft infrage. Ich fühle mich rundum angenommen von dir. DANKE  — Und danke dafür 😉 IMG_20200430_120536 Die Frau mit der Stahlkehle ist wieder happy 😀

Ich bin dankbar für alle meine guten Freunde und Freundinnen. Für meine Freundinnen hier vor Ort, mit denen ich so viel durchgestanden und durchgebetet habe in den letzten Jahren. Dass ich mit euch lachen kann und weinen. Und dass wir uns gegenseitig tragen.

Ich bin dankbar für die Menschen, die ich in der Seelsorge begleiten darf. Ich darf so viel von ihnen lernen. Und mich so sehr freuen über das, was Gott tut: Heilung, Entwicklung, Berufung.

Ich bin dankbar (wie jede Woche) für die Natur und den Frühling. Diese Woche hat es viel geregnet (auch dafür bin ich dankbar – war ja sehr nötig), und ich habe nur wenige Photos gemacht. Stellvertretend für alle Blüten und Blätter diese (das Blatt ist noch von der letzten Woche – es ist aber so schön, dass ich es einfach in diese woche mit hineinnehmen möchte.

© alle Photos: Bettina Peter

 

 

 

8 Gedanken zu “Dankbar in Zeiten von Corona #7

  1. Danke für den Einblick in dein Herz. Ich bin dankbar für meine Gesundheit, meine Familie, meinen 90 jährigen Vater und das lange gute Gespräch, das wir neulich am Telefon hatten. Ich bin dankbar für meinen alten Freund, der mich neulich anrief und wir uns offen und gut austauschen konnten. Ich bin dankbar für mein Zuhause, für Gott und sein Wort, für die Gaben, die er mir gegeben hat. Und ich bin dankbar für meine Arbeitsstelle, auch wenn es nicht grade einfach ist im Moment.

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      1. Das ist eigentlich genau das, was ich in dem Beitrag schreibe: Dinge loslassen, die nicht gut tun oder Freiheit verhindern – so wie im Beispiel vom Affen. Im Einzelnen und Konkreten erlebe ich das immer wieder, seitdem ich den Artikel schrieb ganz bewusst – in den unterschiedlichsten Bereichen.

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      2. Danke für die Erklärung. Das Beispiel vom Affen kenne ich. Er wird gefangen, weil er beides haben will aber nicht kann. Nur wie weiß ein Mensch, was ihm gut tut und was nicht? Auch unangenehme und unschöne Dinge tun einem am Ende gut, dazu zählen nicht nur der Zahnarztbesuch, der Schulbesuch, die Lehre, die Bitte um Vergebung u.a. Dazu zählen auch Kritik an meiner Person, Warten, Verzichten und Leiden. Das meinst du alles sicher nicht. Viele Menschen leben nach dieser Devise, was mir nicht gut tut und sich nicht gut anfühlt, was will ich nicht. Es ist letztlich eine egoistische und kurzsichtige Haltung. Es braucht vermutlich Reife und Weisheit zu erkennen, was mir schadet und was nicht richtig ist. Mit Freiheit ist es ähnlich. Mit der Ehe verliert ein Mensch ein Stück Freiheit. Mit Kindern auch. Mit jeder Verpflichtung, wie z.B. auch mit der Arbeit. Es gibt Freiheit von und Freiheit für. Vermutlich muss jeder für sich entscheiden, welche Affenfalle ihn behindert.

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  2. Erst mal Danke für deine Offenheit. Selbst merke ich großen Widerstand, meine Dankbarkeit, die sich durch alle Lebensbereiche zieht, öffentlich kundzutun. Es ist besser, nicht darüber zu reden, zu schreiben, denkt ein Teil in mir. Keine Geister wecken durch viele Worte. Aberglaube? Ich weiß es nicht. Vielleicht eher die Erfahrung, wie flüchtig manches Glück sein kann. Ich danke lieber still ….

    Liebe Grüße 👋

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    1. Ich kenne auch einen kleinen Widerstand in mir. Nicht aus Furcht, dass die Gründe für die Dankbarkeit – einmal genannt – plötzlich verschwinden könnten. Sondern eher die Frucht davor, wie es auf andere wirkt, wenn ich meine Dankbarkeit, mein großes und kleinen Glück öffentlich benenne. Die Reaktionen darauf mögen ja vielfältig sein. Doch ich bin an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich die Sorgen vor den Reaktionen „der Anderen“ zwar wahrnehme, aber abschüttele. Was ich sehr spannend finde, ist, dass ich hier in den Kommentaren, aber auch in privaten mails die Rückmeldung bekomme, dass meine persönliche Dankbarkeit ermutigend wirkt und ansteckend (wo ich doch fürchtete, es könne als Selbstdarstellung aufgenommen werden, oder es könne Neide geweckt werden usw). Dass es die LeserInnen (die sich zurückmelden) dazu anregt, der eigenen Dankbarkeit nachzuspüren. Also eigentlich genau das, was ich ursprünglich im Sinne hatte. 🙂 Wunderbar. Und es ist auch Selbstzweck – in Photos festgehaltene Momente – aufgeschriebene Momente – machen das Genze erinnerbar, verankern es tief – und es ist ja wirklich wie ein Wunder: Dankbarkeit sät Dankbarkeit und bringt weitere Dankbarkeit hervor. Ein Geheimnis, das alle Welt erfahren darf 🙂 Wie man es auch macht: öffentlich oder privat – ist ja eigentlich egal – aber öffentlich steckt halt andere an – und lobt den, der das alles geschenkt hat. Ganz liebe Grüße dir ins Tal 🙂

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