Dankbarkeit schön und gut – aber was, wenn es mies läuft, oder der Tag einfach schon übel beginnt?

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Psalm 103,2

Machst du mit – morgens, egal in welcher Stimmung du aufwachst? Erinnere dich dreimal an etwas Gutes, für das du dankbar bist: etwas aus den letzten 2 Tagen – etwas aus der letzten Zeit – etwas aus dem letzten Jahr. Danken. Lächeln. Mit einer dankbaren Haltung aufstehen. 🙂

Gestern war ich dankbar… für einen anders gestalteten „Homeschool-Morgen“: Der jüngste Sohn hatte nur noch einen Klacks zu tun – und anstatt noch irgendetwas zu wiederholen sind wir mit dem Hund zum Stadtpark spaziert. Sachkundeunterricht an den Bienenstöcken – und gelernt, dass man ganz nah herangehen kann: Solange man die Eingänge der Stöcke nicht versperrt, stören sich die Bienen gar nicht daran, dass da ein Mensch steht. Weiter ging es damit, wie die verschiedenen Bäume heißen. Kastanie, Buche, Rotbuche, Rotahorn, Haselnuss, Flieder, Birke. Wir hätten gerne einen großen Garten mit Kastanie, Rotahorn und Rotbuche, waren aber erst einmal zufrieden, dass sie so nah nebenan im Park anzuschauen sind. Auf dem Rückweg haben wir Brötchen geholt, die es zur Mittagspause geben sollte. Der Sohn hat den Spaziergang sehr genossen und war glücklich. Ich auch – ich bin es immer noch im Erinnern.

Rückblickend auf die letzte Woche bin ich dankbar… dafür dass ich endlich eine Klavierlehrerin für meinen jüngsten Sohn gefunden habe. Der Sohn ist ja wie schon erwähnt, sehr stark von Legasthenie betroffen, und ich wollte ihm keinen klassischen Klavierunterricht zumuten, so wie ich ihn gehabt habe. Diese ganzen schwarzen Notenkugeln lesen lernen – das ist ja fast wieder wie Schule… Und außerdem ist es mir selbst so ergangen, dass ich mir zwar Chopin und Mozart und Co ganz gut erarbeiten kann – aber kein einziges Lied, welches man zusammen singen könnte, einfach mal so frei begleiten kann. Richtig schade! Der Sohn zeigt so musikalisch Tendenzen, dass ich ihn mit seinem sehr genauen Gehör und Musikgedächtnis gar nicht erst in solche Vorgaben pressen will. Er kann bestimmt viel mehr, als Noten vom Blatt spielen. Mein Ziel war also es, jmd zu finden, der freies Klavierspiel unterrichtet – aber mannoman – das ist vielleicht ein schwieriges Unterfangen. Wenn nicht gerade Coronazeit wäre, hätte ich nicht diesen kostenlosen Onlinekurs zum freien Begleiten mitgemacht – und hätte nicht herausgefunden: ich glaube, das kann ich schnell lernen. Und der Sohn auch. Nun lerne ich dort – und der Sohn lernt bei mir. Und ich habe das Gefühl, dass das richtig gut klappt. Dafür bin ich so sehr dankbar. 🙂

Im letzten Jahr habe ich viel losgelassen: Meine bezahlte Anstellung als Pastorin einer Ortsgemeinde. Und so ziemlich alles, was damit verbunden ist. Weil Gott mir sehr deutlich gemacht hat, dass er möchte, dass ich etwas Bestimmtes tue, wofür ich nicht bezahlt werde, was aber von Menschen, die ihm auf dem Herzen liegen, sehr gebraucht wird. Aber erst einmal hat er mir ein Sabbatjahr verordnet. Ich dachte, es würde vier Monate dauern. Dann dachte ich, es würde 6 Monate dauern. Und dann habe ich begriffen, dass ein Sabbatjahr tatsächlich ein ganzes Jahr bedeutet. Wer hätte das erwartet? Ich fand ich sehr lang. Und es wurde immer mal sabotiert. Zu allererst von mir selbst, weil ich anfing, ganz viel Zeit in ehrenamtliche Betätigungen zu investieren. Danach von einer längeren Krankheitszeit (die nötig war um zu begreifen, dass wirklich Sabbat sein soll…) Und dann von Corona und homeschooling. Menno! Ich komme gar nicht zu den Vorhaben, die ich so für mein Sabbatjahr geplant habe. Aber jetzt merke ich immer mehr, dass Gott auch einen Plan hat – und dass er diese ganze Zeit mit mir Riesenmeilenschritte geht – in der innerlichen Entwicklung und in der Beziehung zu ihm. Und (mal wieder 😉 ) im Loslassen von meinen Plänen und dem Empfangen von dem, was er für mich hat. Dieses Jahr ist eine ganz persönliche und auf mich zugeschnittene Schulung, die er mit mir gerade durchführt. Und je mehr ich davon kapiere, desto dankbarer bin ich dafür. Unglaublich dankbar. 🙂

Wofür bist du dankbar: heute – gestern/ in der letzten Zeit/ im letzten Jahr?

Lass uns morgens unsere Seele daran erinnern. Es tut so gut!

11 Gedanken zu “Dankbarkeit in Zeiten von Corona #9

  1. In dem, was Du von Dir schreibst, erkenne ich gerade einiges von meiner eigenen aktuellen Situation. Danke für die Inspiration zum Loslassen und Empfangen… Und auch ich hatte es einst zu Fugen von Bach und Sonaten von Mozart gebracht, konnte aber nie spontan Lieder begleiten geschweige denn Improvisieren. Aber vielleicht ist ja auch da das letzte Wort noch nicht gesprochen 😅
    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Beat

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    1. Danke für deine Zeilen. Spannend, dass bei Dir ähnliche Prozesse laufen. – Mit dem Improvisieren möchte ich dir Mut machen. Ich habe geglaubt, es ginge halt bei mir nicht mehr – zu eingefahrene Abläufe durch das Klassische – zu hoher Standard, um nochmal so von Grund auf neu anzufangen mit dem freien Spiel. Das ist Quatsch. Die Methode, die ich gefunden habe und die mir Mut gemacht hat, wird wohl nicht so oft gelehrt. Wenn du mehr erfahren möchtest, gebe ich dir gerne einen Link weiter. Muss natürlich passen – ich glaube, bei mir war es genau der richtige Zeitpunkt, gemischt mit dem Wunsch, für den Sohn etwas zu finden 🙂 Viele liebe Grüße in die Schweiz von der See

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      1. Danke! Ich wäre im Moment schon froh, wenn ich überhaupt mal wieder zum Klavierspielen käme. Es ist schon ein paar Jahre her 😢😊
        Und was das Loslassen betrifft, bin ich gerade daran, meine Aufgabe in Basel abzugeben, um wahrscheinlich im Herbst in der Westschweiz eine neue Sendung zu übernehmen… wenn Gott bis dahin nicht noch plötzlich mit etwas anderen kommt 😅 Aber wie Du sagst: Vertrauen – Loslassen – Empfangen
        Einen hoffnungsvollen Wochenstart wünscht Dir
        Beat

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      2. In einem sehr ausgefüllten Alltag ist das nicht leicht mit dem Klavierspielen… Ich habe in den letzten Jahren oft 6 oder 12 Monate (oder so) das Klavier nicht angerührt. Und dann plötzlich einen Rappel bekommen und ein paar Wochen gespielt. Ach, ich wünsche dir Zeit dafür. Das hört sich sehr spannend an bei dir. Wirst du darüber schreiben? Viele liebe Grüße 🙂

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  2. Schön, Dich auch mal „live“ zu sehen ;-)!
    Und natürlich schön, von Deinen Dankbarkeitsmomenten zu hören/lesen.
    Das mit den drei unterschiedlichen Zeitspannen für´s Erinnern und Danken ist mir neu- finde ich echt gut, weil wir dann nicht nur weit zurück und auch nicht nur auf Jetzt schauen. Super Ansatz!

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    1. Danke, liebe Barbara, für deine Gedanken. Und ich finde: beim Rücklblick auf die zwei etwas länger zurückliegenden Zeitspannen fällt einem ja auch immer Unterschiedliches auf, wofür man dann danken kann 🙂

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