Es ist wirklich keine Frage des Besitzes oder eines Lebensstandards. Auch nicht der gesellschaftlichen Stellung oder des Familienstandes. Ob wir glücklich und dankbar sind, hängt nicht von diesen äußerlichen Faktoren ab, sondern vielmehr von der inneren Haltung unseres Herzens. Von der Ausrichtung unserer Gedanken auf das Gute, was wir in unserem Leben erfahren. Ich bewundere Menschen, die diese Lebenskunst beherrschen. Es sind nicht die erfolgreichen oder berühmten Menschen. Oder die besonders begabten und intelligenten Menschen. Nicht die reichen Menschen, oder jene, denen immer alles in den Schoß zu fallen scheint.

Es sind die Dankbaren. Diejenigen, die die Menschen um sich herum zu lieben und zu schätzen wissen. Die frohe Erlebnisse sammeln. Die den Moment genießen können. Die das Schöne sehen. Die gütig sind mit anderen. Die großzügig ihr Lachen, ihre Lebensfreude und vielleicht auch etwas Materielles teilen, seien sie nun arm oder reich. Letzteres spielt dabei keine Rolle. Besonders beeindruckend jedoch empfinde ich diejenigen, die nach den Bewertungsschemen, die unsere Gesellschaft an uns legt, zu den Armen, den Erfolglosen, den sozial tiefer Gestellten gehören, die eben jenen Reichtum der Dankbarkeit in sich tragen.

Mir ist die Dankbarkeit nicht in die Wiege gelegt worden. Melancholie, ein Sehnen nach Glück und eine gewisse Unzufriedenheit sind lange Zeit ständige Begleiter gewesen. Und allzu oft ging ich der Lüge auf den Leim, dass ich glücklich sein würde, wenn… ich reicher wäre, ich endlich Erfolg hätte, ich beliebt wäre, ich…hätte, wäre, könnte, würde… Viel Selbstreflektion und eben jene wunderbaren Lehrmeister, die mir die Dankbarkeit trotz widriger Umstände vorgelebt haben, haben mich ein ganzes Stück weiter gebracht. Und je mehr ich mich in der Dankbarkeit und dem Genießen des Moments übe, desto zufriedener und glücklicher bin ich.

Wofür ich in letzter Zeit dankbar war, und welche Momente ich genossen habe… vor und auch während meiner Covid 19 Erkrankung, und danach… hier ist eine kleine Auswahl davon:

Ich bin dankbar, dass wir vor unserer Krankheitsquarantäne und dem halben Lockdown noch einige wirklich schöne Ausflüge unternehmen konnten. Zum 14. Geburtstag bekam unser Sohn einen Ausflug nach Hamburg geschenkt. Auf dem Programm: Besucherterrasse des Flughafens und nachher Pizzahut. Ari ist total begeistert von Flugzeugen. Er weiß alles über die Geschichte der Fliegerei und Flugzeuge. Und er freute sich riesig auf den Ausflug. Zur Zeit fliegen ja nun nicht sooo viele Maschinen – aber wir hatten Glück und konnten einige beobachten. Ein besonderes Erlebnis: ein ADAC Krankentransport. Der Verletzte wurde mit dem Flugzeug zum Flughafen gebracht, und dort wartete schon ein Krankenwagen. Und wir konnten das alles beobachten. 14 Tage später habe ich den jungen Mann zum Danmark Flymuseum in Skjern entführt. Erst zwei km vor dem Ziel hat er unser Ziel erraten. Wir haben viel Zeit in dem Museum verbracht, weil jede Information gelesen werden musste und alles genauestens inspiziert wurde. Was für ein schöner Mutter-Sohn-Ausflug.

Ich bin dankbar für viele kleine Dinge, die wir auch in der Zeit der Krankheit und Quarantäne genießen konnten. Ein warmes Bett zum Schlafen. Die Freund, die eingekauft und die Lebensmittel vor die Tür gestellt haben. Das Essen, welches für uns gekocht wurde, als wir zu schlapp waren, um auch nur kurz am Herd zu stehen. Die freundlichen Grüße per sms, mail und Brief. Kleine Care Pakete, die vor der Haustür abgestellt wurden und vom Hund angemeldet wurden. Besorgte Nachfragen und Gebete, die für uns vor Gott gebracht wurden. Die gute Betreuung durch unseren Hausarzt. Skypen mit Freundinnen.

Ich bin dankbar, dass wir den 11. Geburtstag unseres kleinen Sohnes noch feiern konnten. Wir Erwachsenen aßen nicht mit, bedienten die Kinder dafür mit Mundschutz. Diesmal konnte der Sohn leider nicht seine halbe Klasse einladen – nur die engsten Freunde. Diese genossen Kuchen und Saft, erlebten eine Schatzsuche, und zum Abschluss gab es Wohnzimmerkino mit Pizza und Softdrinks. Ich bin dankbar für den kleinen Sohn, der so ein großes Herz, so viele Freunde, so viel Liebe und Gemeinschaftssinn, so viel Charme und so viel Freude hat. Ich lerne viel von ihm.

Ich bin dankbar für 25 Jahre Ehe mit meinem wunderbaren Freund und Ehemann. Viel Gutes haben wir erlebt in dieser Zeit.

Und das alles haben wir gefeiert mit einer kleinen Reise. Gerade noch rechtzeitig. Unser Wunschziel Südtirol haben wir gecancelt, auch wenn es während unseres Urlaubs noch kein Risikogebiet war. 5 Tage vorher hatten wir dann endlich noch ein kleines, aber feines Appartement im Chiemgau gefunden. Ein Glücksgriff. Auf Restaurantbesuche und Schwimmbad/Saunagänge haben wir wohlweislich verzichtet. Jeden Tag sind wir gewandert. Zuerst bei Sonnenschein und T-Shirt-Wetter, dann bei Regen, und zum Schluss gab es Schnee. Oben auf dem Gipfel hatten wir einen Vormittag im Winterwonderland. Unbezahlbar. Und der Hund hatte quasi Kindergeburtstag und ist durch den Schnee gejettet. Zum Abschluss haben wir ein Seminar in Süddeutschland besucht und dort ganz viel Gutes mitgenommen. Das war unser erster Urlaubszeit 11 Jahren, die wir ganz alleine als Ehepaar verbringen durften. Einfach gut. So etwas wird es jetzt wohl für längere Zeit nicht geben. Aber ich habe Farben für den Winter gesammelt, und werde lange von diesen schönen Momenten zu zweit zehren.

Ich bin dankbar für den Humor und das Miteinander in der Familie. Der große Sohn war gerade einen Tag wieder in der Schule, da ereilte uns die Nachricht, dass wegen eines weiteren Coronafalls der gesamte Jahrgang für 14 Tage in Quarantäne und im homeschooling ist. Erstmal eine total doofe Nachricht… Aber wir finden uns wieder in der Situation zurecht und machen das Beste daraus. Homeschooling und Quarantäne-Tage: das sind Tage mit Nachmittagskaffeetrinken und Gesellschaftsspielen. Und Tage mit gemeinsamen Spaziergängen (jeah – wir haben das „Ja“ vom Gesundheitsamt dazu 🙂 er ist ja gerade erst genesen).

Ich bin dankbar für Zeiten mit Jesus. Viel Kraft hatte ich in der letzten Zeit nicht – auch nicht dafür. Aber einen Kaffee mit Jesus trinken, ihn während eines Hunde-Gangs über der Herbstpracht loben, ihm sagen: ich habe keine Kraft – aber ich weiß, du bist bei mir… das tut gut.

Ich bin dankbar für den Wind, der mein Gesicht streichelt oder stürmisch umarmt. Ich bin dankbar für jeden Sonnenstrahl, den ich einfangen kann. Ich bin dankbar für das bunte Herbstlaub, das schöner ist als jedes gemalte Bild. Ich bin dankbar für die Freunde, das Lachen, ein heißes Essen, leckeren Kaffee. Für ein gutes Buch, ein schönes Musikstück. Für das Eichhörnchen, das uns besucht, um letzte Reste aus den, Bettunterlagen aus Schurwolle, die wir aussortiert haben zu räubern (ob es wohl mehrere Kobel auszustatten hat??).

Nächste Woche schreibt Nina darüber, wie Gott ihr Leben verändert hat, und wofür sie dankbar ist.

Welche schönen Momente gab es in deiner letzten Woche/Zeit, für die du dankbar bist?

Alle Photos: B. Peter

2 Gedanken zu “Wie ich Dankbarkeit lerne… Nach, trotz und während Corona – Gott sei Dank #1

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