Die Jünger Jesu haben, wie wir wissen, einiges nicht verstanden. Wenn man sich die Texte in den Evangelien vornimmt, und versucht, sich die Szenen bildlich vorzustellen, dann zoomt die innere Kamera immer mal wieder auf einen Jesus, der auf das sprichwörtliche Brett vor dem Kopf der Jünger reagiert. In meinem inneren Film schwankt es dann: manchmal ist Jesus verzweifelt, manchmal amüsiert, ärgerlich oder auch mitfühlend über so viel Begriffstutzigkeit. Auf jeden Fall lesen wir davon, dass er manche fassungslose Antwort auf die Fragen und Aussagen der Jünger gibt. Wenn man das Miteinander von Jesus und den Jüngern einmal auf diese Weise auf sich einwirken lässt, werden die biblischen Begebenheiten spannend und sie bekommen mehr mit unserem eigenen Leben zu tun.

Abgesehen davon, dass die Jünger einiges nicht verstehen und manch begriffsstutzige Aussage oder Handlung fabrizieren, erkenne ich in ihrem Handeln ganz viel Mut und Glauben. Sie lassen alles stehen und liegen, um Jesus zu folgen. Verlassen ihre Familie und ihr Zuhause, um ihm nahe zu sein und von ihm zu lernen. Als er ihnen aufträgt, zu zweit (und ohne sein Beisein) zu den Menschen zu gehen, wagen sie es, und durch ihre Hände werden Menschen geheilt und von zerstörerischen Bindungen befreit. Sie stehen mit Jesus zusammen im Schussfeld der Kritik und der Anfeindung durch die Pharisäer. Petrus geht auf dem Wasser. Die Jünger stehen zu Jesus, bis zuletzt, obwohl es gefährlich ist. Und Johannes steht am Kreuz, und er bleibt bei Jesus, bis er stirbt.

Was für ein Mut und was für ein Glaube. Welche Liebe zu Jesus sie in ihren Herzen hatten. Und das, obwohl sie nicht alles richtig verstanden haben. Manches falsch deuteten. Welch ein Glaube, obwohl sie noch nichts von Jesu Auferstehung geahnt haben konnten, sich der Heilige Geist noch nicht auf sie gesetzt hatte. Sie hatten weder Theologie studiert, noch Glaubenskonferenzen besucht.

Jesus kennen ist besser als jede Christologie. Die Jünger haben mit Jesus gelebt. Haben ihm Fragen gestellt, ihm zugehört und zugesehen. Sie waren ganz nah bei ihm.

Wahrscheinlich es heute auch noch so. Jesus kennen ist besser, als alles zu verstehen, alles einordnen zu können. Ganz nah mit ihm zu leben ist besser, als möglichst viel zu wissen. Es geht darum, seine Stimme zu hören und zu sehen, was er tut. In seiner Nähe zu bleiben – oder immer wieder auf dem Weg dorthin zu sein. Es gibt Momente, in denen es sich so nah anfühlt: ich kenne dich Jesus. Ich spüre dich. Ich sehe gerade etwas an dir, was ich nie zuvor sah. Ich genieße deine Nähe. Und dann doch wieder dieses Erkennen: es gibt noch so viel mehr von dir, Jesus. Ich will dich noch mehr kennenlernen. Dir näher sein. Ich fühle mich meilenweit fern von dir. Du bist noch so viel mehr anders, neu, intensiver, als ich es ahne. Bitte gehe weiter mit mir, lass mich dich erleben und spüren. Ich brauche weniger Wissen, weniger alte Erkenntnisse von gestern. Ich will dich heute sehen und hören. Will deine Arme um mich spüren und in deine Augen sehen. Ich will dich kennen.

6 Gedanken zu “Jesus kennen

  1. Wie schön, von dir zu lesen, geliebte Bettina in CHRISTI, jaaa, immer wieder geht es CHRISTUS um unsere Herzen :-), um nichts sonst; es ist SEINE LIEBE, die alles trägt. Erst gestern Abend hatten wir in der AnkerZelle den Bibelabschnitt – JESUS fragt nach der Liebe – aus dem Johannes-Evangelium 21,15-23 -NLB -, da geht es u. a. auch um eine Art „Begriffsstutzigkeit“ :-); und als Abschluss-Segen hat mir der Allerhöchste ungewöhnlicherweise 3 Bibelverse aus unterschiedlichen Bibelstellen aufgetragen: Sprüche 16,3, Psalm 20,5 + Judas 1,2 :-). – In diesem Sinne hoffe ich von ganzem Herzen, dass es dir und deiner Familie gut geht, sende euch innig-herzliche Grüße und viele Heilige Kussis… Marlies
    P.S. Vor einigen Tagen habe ich dir unter deiner vdd-Emailadresse eine online-Postkarte geschickt :-).
    DANKE für alles!!!

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